Auch Kater können nett sein

KLUB DER JUNGEN DICHTER ⋅ Ceyda Fierz, Zug, 6. Primar

Wilde orange Augen blickten angriffslustig aus einem Efeugebüsch. Mit scharfen Krallen duckte sich das Tier runter. «Attacke», schrie der Kater Chilli. Und aus dem Efeu kam ein schwarzes Fellbüschel gesaust. Es stürzte sich auf das Tier, das neben dem Efeu sass. «Lass das», maunzte Kater Mogli, der sich vor dem Efeu zur Ruhe gelassen hatte. «Bitte hör auf!», miaute die getigerte Katze. Chilli liess Mogli los, und die beiden trotteten über die Strasse zu einem grossen Haus. Die beiden waren Brüder, und nicht nur das, sondern auch beste Freunde. Sie machten alles zusammen, obwohl sie unterschiedlich waren; Chilli war ein Draufgänger und Raufbold, sein Bruder war träge und nicht gerade scharf darauf, weite Strecken zu laufen.

An einem sonnigen Morgen:

Chilli war hellwach, er vernahm ein leises Rascheln im Gebüsch nebenan wahr. Er roch den vertrauten Geruch einer Maus. Er duckte sich und sprang. Der Kater bohrte seine Krallen in die Maus. Das Atmen der Maus erstarb. Chilli nahm die Maus auf und trug sie zu Mogli. «Danke», schnurrte Mogli. Aber Chilli war schon weg. Chilli war auf, um andere Katzen zu suchen, um zu plaudern. Er sprang durch den Nachbarsgarten. Plötzlich flatterten einige seltsame Vögel auf. Sie waren schwarz, weiss, braun und grau. Chilli störte das nicht weiter, und er lief einfach vorbei. Plötzlich hörte er ein klägliches Piepsen hinter einem hohen Baum. Er lief zu der Stelle, an der er das Piepsen vermutete. Und da sah er es; eine kleine weisse Taube. Ihr Flügel war verletzt. Chilli hatte Mitleid mit dem armen Vogel. Er nahm ihn behutsam auf und trug ihn in ein Versteck, das Mogli und er in einer Sommernacht entdeckt hatten. Die Taube gurrte, was Chilli als Dankeschön akzeptierte. Er legte sie vorsichtig ab und lief leise hinaus. Als er am Abend ins Versteck getrottet kam, hatte er in seiner Schnauze eine Maus, die er der verdutzten Taube vor die Federn legte. Die Taube schaute Chilli mit einem fragenden Blick an. Chilli merkte, dass Tauben wohl keine Fleischfresser sind. So machte er sich auf den Weg, von seinem Herrchen ein paar Sonnenblumenkerne zu stibitzen. Mit einem Dutzend Sonnenblumenkerne kam Chilli zurück. Er spuckte sie vor die Federn der Taube. Sie begann sofort zu picken ...

Eines Tages war es so weit: Die Taube konnte zum ersten Mal wieder fliegen. Sie reckte sich und streckte sich und flog mit kräftigen Flügelschlägen zum Himmel empor. Chilli hatte Tränen in den Augen, denn mittlerweile hatte er die weisse Taube ins Herz geschlossen. Aber die Taube flog nicht, wie Chilli vermutete, zu den anderen Tauben. Nein, sie flog wieder auf Chilli zu und landete direkt auf seinem Kopf. Die beiden verbrachten von nun an jede Sekunde zusammen. Sie waren beste Freunde geworden.


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