Die besten Stilblüten aus dem Klub der jungen Dichter

STILBLÜTEN ⋅ 4682 Texte sind für den diesjährigen «Klub der jungen Dichter» eingereicht worden. Die besten haben wir in den letzten Wochen in unserer Zeitung publiziert. Zum Abschluss wollen wir Ihnen auch die unfreiwilligen Höhepunkte nicht vorenthalten.

Fast nichts ist für einen Text wichtiger als ein guter Einstieg. Das haben sich auch einige junge Dichterinnen und Dichter zu Herzen genommen:

«Der Mond ging auf, die Katzen miauten.»

«Er war wieder mal Montagmorgen. Natürlich hatten wir alle keine Lust, aber man muss.»

Das kennen wir doch alle.


Genauso wie die Wirrungen des Lebens:

«Er wollte gerade losgehen, da fiel ihm ein, wohin er eigentlich gehen wollte.»

«Ich war erstaunt, dass das Buch so einfach zu lesen, aber so schwer zu verstehen war.»

Das ist auf den zweiten Blick durchaus logisch.


Doch manchmal kann man es drehen und wenden, wie man will:

«Als ich zurückschaute, sah ich gerade noch, wie mich einer ins Gesicht haute.»

«Die Herbstwanderung war ein Kilometer lang.»

«Sie flogen mit dem Jetski nach Alaska.»

«Der Wald war nicht sehr gross, aber es hatte viele Bäume.»

«Kurz darauf waren wir schon sieben Stunden unterwegs.»

«Als ich die Kiste öffnete, sah ich, dass ich adoptiert bin.»

Das nennt man eine rasche Auffassungsgabe.


Manchmal kommt die Logik geradezu mit dem Holzhammer:

«Dominik fiel von oben nach unten.»

«Der Polizist meinte, je länger sie eingesperrt sind, desto weniger brechen sie ein.»

«Der Mann wurde auf tödliche Weise umgebracht.»

«Ich probierte es auf Englisch, Französisch und Italienisch. Doch es sah immer noch so aus, als ob das Pferd uns einfach nicht verstehen konnte.»

«Zum Abendessen gab es Haferbrei oder verfaulten Salat. Ich nahm den Haferbrei.»

«Meine Mutter antwortete diesmal mit einer Antwort.»

«Im Wald finde ich eine Leiche, eine tote Leiche.»
 

Wie man sieht, lohnt es sich manchmal, direkt eine Erklärung nachzuliefern:

«Dann liefen sie über das Wasser, weil sie konnten über das Wasser laufen.»
 

Nun kommen wir zum ersten Teil der klassischen Stilblüten:

«Wir haben uns kennen gelernt und über Kopf ineinander verliebt.»

«Diese Kiste war mir bis jetzt noch nicht ins Auge gefallen.»

«Ich erschrak bis auf die Unterhosen.»
 

Womöglich musste er diese dann wechseln. Too much? Dann lesen Sie das da:

«Als meine Mutter mich zum Essen rief, lief ich trottelnd hinunter.»

«Die Spezialeinheit belagerte die Kiste.»

«Sie liessen den Schatz schätzen.»

«Als ich meine Grosseltern besuchte, waren sie gerade am Wursten.»

Hoffen wir, dass das irgendetwas mit Fleisch zu tun hat.
 

In der Orthografie steckt oft Potenzial für neuen Sinn:

«Das Haus gehört meinem Uhr-Uhr- Uhr-Grossvater.»
 

Da ist man wenigstens sicher, dass er noch richtig tickt:

«Auf unserer letzten Schulreise gingen wir ins Alphamare.»

«Dog, dog», machte es an der Tür. Und anschliessend «Wau, wau».

«Als ich aufwachte, lag ich zu Hause in meinem Beet.»

Was für eine Nacht!

Zum Ausnüchtern nochmals ein paar Stilblüten:

«Ich schob mir meine pechschwarzen Haare aus meinem Mondgesicht.»

«Wir wurden dick befreundet.»

«Nach dem vielen Essen war mir ein bisschen kodderig.»

«Plötzlich bekam er das Übergewicht und fiel in die Kiste.»
 

Manchmal versucht man es mit besonders plastischen Formulierungen. Da schiesst man leicht übers Ziel hinaus:

«Meine Noten sanken wie Füsse im Schlamm.»

«Wir bogen in die Gasse, und Dunkelheit umschlang uns.»

«Die letzten Schultage zogen sich hin wie eine rheumatische Schnecke mit Leim am Bauch.»

«Mein Herz wollte soweit wegrennen, wie es geht, aber mein Gehirn wollte bleiben und schauen, was drinnen ist.»
 

Dafür kann sich schon in frühester ­Jugend grosse Lebenserfahrung zeigen:

«In meinen ganzen zehn Jahren hatte ich noch nie so etwas Hässliches gesehen.»

«Ich wohne mit meinen Eltern zusammen und bin ein Einzelkind. Trotzdem hatte ich immer das Gefühl, dass etwas fehlt.»

«Ich stand auf und merkte gar nicht, dass ich noch lebte. Erst als ich mir die Zähne geputzt hatte, wurde es mir klar.»

Ich persönlich merke morgens jeweils nach dem ersten Kaffee, dass ich noch lebe.

«In unserer Klasse gibt es verschiedene Gruppen: die Sportlichen, die Beliebten, die Mädchen etc.»

«Meine Mutter sagte, sie brauche ein bisschen Zeit für sich, und ging ins Bad.»

«Meine Eltern waren schon im Bett, das hörte ich am Schnarchen an.»

Tja, man hat es nicht leicht mit den ­Eltern.


Besonders mit den Vätern nicht:

«Mein Vater ist ein Bodybilder.»

«Mein Vater ist stolze 52 Jahre alt, aber er kann zum Glück noch Auto fahren.»

«Mein Geburtstag war Horror! Mein Vater hat seine Kollegen eingeladen und meine nicht reingelassen.»

«Mein Vater ist Lehrer, Mathelehrer. «Bravo!», denkt ihr jetzt sicher alle, «das muss megasuper sein».

«Im Bett liegt mein Vater gefesselt und geknebelt. Jetzt weiss ich endlich, wo er jeweils immer gewesen ist.»

«Hallo, bist du mein Vater» – «Wie heisst du denn?» – «Melissa King.» – «Ja, das könnte noch sein, dass du meine Tochter bist.»

 

Gesagt ist gesagt. Auch Folgendes kann nicht zurückgenommen werden:

«Guten Morgen, liebe Schüler. Ich bin Frau Müller, eure neue Lehrerin. Ich bin 55 Jahre alt und Single.»

«OMG, ein Obdachloser in unserem Estrich!»

«Ich sitze hier in einer Art WC-Schüssel und komme nicht raus. Mein Hintern bewegt sich keinen Millimeter.»

«Es gibt da zwei gut aussehende Mädchen in unserer Klasse. Nämlich Nina und mich.»

«Weisst du, meine Mutter hat eine Krankheit. Die Hühnersuppentoleranz.»

«Ich heisse Gott, bin 12 Jahre, und mein Hobby ist es, mit Freunden abzuhängen.»

«Es geht um deinen längst verstorbenen Bruder. Er ist am Leben.»

«Es kommt!» – «Dann müssen wir es selber gebären!»
 

Wie man sieht, läuft nicht immer alles nach Plan:

«Ich fühle mich in jeder Vollmondnacht haariger.»

«Kürzlich ist die Nasa in die Luft geflogen.»

«Nach vier intensiven Tagen im Krankenhaus wurden wir beide griesgrämig in Rollstühlen rausgerollt.»

«Plötzlich landete ich auf einer Art Schaf, einfach klebriger.»
 

Aber in schwierigen Situationen braucht es eben eine gewisse Coolness:

«Ich fand einen Toten vor meiner Tür und rief die Polizei an. Bis sie da war, ging ich mir im Coop noch rasch ein Brötchen gönnen.»

«Der Zombie sagt, ich müsse sterben. Aber ich habe immer einen Hammer dabei.»


Zum Schluss auch dieses Jahr die besten Schlusssätze:

«Endlich war der Monat vorbei, und wir gingen braun gebraten nach Hause.»

«Und wenn sie den Flug überlebt haben, leben sie noch heute.»

«Salvatore und Gerson lebten glücklich bis zu ihrer Beerdigung.»

«Das Leben verging bis ans Ende.»

«Am Ende gabs ein Hebiend.»

«The Ende.»

Zusammengestellt und kommentiert von Arno Renggli

arno.renggli@luzernerzeitung.ch


Hinweis
Auch dieses Jahr haben Studierende der Pädagogischen Hochschule Luzern die Texte des «Klubs der jungen Dichter» zu Handen der Hauptjury vorselektioniert. Dabei haben sie auch die Stilblüten gesammelt, die auf dieser Seite erscheinen.

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