Eine warme Erinnerung

Luisa-Antonia Buonsante, Kriens, 2. Sek

Ich sank so tief, als ich in ihre wunderschönen braunen Augen sah. Ich fiel förmlich und hatte nur noch Augen für sie. Sie sass vielleicht fünf Meter von mir entfernt, doch es fühlte sich an, als sitze sie genau vor mir. Ihre Eleganz und die Art, mit der sie auf dieser Bank sass, faszinierten mich.

Es weht ein kalter Wind. Auf einmal fühle ich mich so leer, doch dann kam mir eine warme Erinnerung, die mein Herz erwärmt ...

Sie sah so wunderschön aus. Mit diesem beige-weissen Kleid trat sie vor den Altar. Ein Lächeln strahlte über ihr ganzes Gesicht. Ich zog ihr den Ring über den Finger. Der Pfarrer sprach und sprach, doch ich hörte gar nicht zu. Ich war in eine Art Trance gefallen und bemerkte gar nicht, dass aus zwei ehemals fremden Personen jetzt Mann und Frau wurden.

Der Regen läuft mir übers Gesicht. Mein schwarzer Mantel saugt das Wasser auf, und er wird immer schwerer ...

Sie war im Bad und machte sich zurecht. Ich ging zu ihr, gab ihr einen Kuss auf den Nacken und blickte in den Spiegel. Ich sah, dass sie besorgt aussah, also fragte ich, was los sei. Sie drehte sich um und flüsterte mir zu: «Schatz, WIR sind schwanger.» Vor lauter Glückgefühlen kniete ich mich vor sie und küsste zärtlich ihren Bauch.

Ich sitze vor ihr, und neben mir höre ich das Schluchzen meiner Kinder ...

In der Nacht weckten mich die Schreie meiner Frau. Ich merkte sofort, was los war, packte ein paar Sachen in die Tasche, startete das Auto, und wir machten uns auf dem Weg ins Krankenhaus. Ich hielt ihre Hand, die ganze Zeit über. Es kam mir so vor wie stundenlanges Warten, doch plötzlich erblickte ein gesunder Junge die Welt. Vier Jahre später kam auch ein gesundes Mädchen zur Welt, und unser Familienglück war komplett.

Die Dornen der Rose stechen mir in die Brust und fühlen sich wie eiskalte Messerstiche an ...

Es war Weihnachten, und ich sass gemeinsam mit den Personen am Tisch, die ich Familie nennen darf. In der Ecke steht der Tannenbaum, den die Kinder und ihre Mom am Tag zuvor geschmückt hatten. Ein intensiver Geruch erfüllte den Raum. Es war Zimt, Zimt, der in den Weihnachtskeksen ist. Draussen sah ich diese Laterne mit fahlem Licht. Der Schnee rieselte langsam an ihr vorbei und fiel dann langsam zu Boden.

Ich öffne meine Augen und befinde mich wieder in der düsteren Realität. Neben mir meine Kinder, die traurig vor dem Grab knien und sich mit ihr unterhalten. Ich knie mich dazu, nehme eine Rose aus meinem Mantel und lege sie auf ihr Grab.

Ich nehme meine Kinder bei der Hand, öffne den Schirm und verlasse den Friedhof, den einzigen Ort, an dem ich in Gedanken versinken kann. In den Augen meiner Kinder sehe ich sie wieder.

 


Login


 

Anzeige: