Fesselnde Liebe

KLUB DER JUNGEN DICHTER ⋅ Luzia Rickenbacher, Steinen, 2. Klasse Kurzzeitgymnasium

«Ich weiss, es ist nicht sehr beeindruckend», sagt er entschuldigend, während er sie zu dem moderigen Sofa herüberträgt. Er setzt ihren zierlichen Körper darauf ab und zieht für sich selbst einen Holzstuhl heran. Ihre Augen wandern im Raum umher, sorgfältig seinem Blick ausweichend. Er zuckt unsicher mit den Schultern: «Es ist nicht das, was du verdienst, Prinzessin, ich weiss. Aber es ist alles, was ich momentan habe. Und hier können wir ungestört miteinander leben.» Unbehaglich rutscht er auf dem Stuhl hin und her. Die Angst, dass auch sie ihn zurückweisen könnte, schnürt ihm beinahe die Kehle zu. «Zeig mir doch nicht immer die kalte Schulter», bittet er sie, eine Spur von Verzweiflung in seiner Stimme. Er streckt eine Hand nach ihr aus, aber sie weicht zurück. «Bitte Kätzchen, du bist mir doch nicht böse, oder?» Sie wird ihm verzeihen, ganz bestimmt. Letzten Endes wird sie zu ihrem alten, fröhlichen Selbst zurückkehren, in das er sich über die letzten Wochen verliebt hat. Er würde für sie da sein und ihr jeden Wunsch von den Lippen ablesen.

Seine Augen glühen auf, als sein Blick langsam über ihren schlanken Körper wandert; von ihren langen, nackten Beinen zu ihrer schmalen Taille und ihren rosa angehauchten Wangen. Ein paar Strähnen ihres goldenen Haares haben sich aus ihrem Pferdeschwanz gelöst und rahmen ihr liebliches Gesicht. Er wird sie nicht verlieren, denkt er mit plötzlicher Entschlossenheit. Diesmal würde er alles richtig machen.

Erst jetzt bemerkt er, wie sie fröstelt, und zieht hastig seine Jacke aus. Als sie beschliesst, ihn weiter zu ignorieren, lächelt er schwach und fragt: «Dir ist kalt, nicht wahr?» Ihre Augen sind fest auf eine an der Wand hochkrabbelnde Spinne fixiert.

Seufzend steht er auf und läuft hinter die Couch. Fürsorglich legt er die Jacke um ihre Schultern und gibt ihr einen Kuss auf den Kopf, wobei er den süssen Duft ihrer Haare einatmet. «So ist es doch schon viel besser», flüstert er in ihr Ohr und legt seine warmen Hände schützend auf ihre Schultern. «Ich will dich nie wieder loslassen. Ich liebe dich.» Tränen glitzern in ihren weit aufgerissenen Augen, als sie sich nach ihm umdreht. Seine Worte berühren sie also doch. Erleichterung durchflutet seinen Körper, und sein Herz schlägt wild in seiner Brust. «Versprichst du, für immer bei mir zu bleiben?»

Sie nickt zitternd. Er wusste, dass sie anders war. Triumphierend reisst er mit einer einzigen raschen Bewegung den Klebestreifen über ihrem Mund ab, und sie beginnt auf der Stelle zu schreien. Seine Schultern sacken enttäuscht nach vorne, und seine Hände schliessen sich um ihre Kehle.

Warum mussten sie immer schreien?


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