Glück im Unglück

KLUB DER JUNGEN DICHTER ⋅ Leonie Felder, Schüpfheim, 6. Primar

«Ich hatte nie Glück in der Liebe», erklärte mir mein Grossonkel immer. Und so ging es mir auch. Bis vor ein paar Monaten. Aber Stopp, lasst es mich von vorn erzählen:

Ich war gerade mal 22 Jahre alt, als ich sie sah. Sie war wunderschön. Aber ich war zu schüchtern, um sie anzusprechen. Deshalb hatte ich eine andere Theorie: Ich wollte ihr hinterherspionieren. Es war ein Samstagmorgen. Ich hatte mich hinter dem Busch ihres Elternhauses versteckt. Dort wartete ich etwa 30 Minuten lang. Ich hatte ein komisches Gefühl im Magen. Ich wusste, was ich hier machte, war falsch. Doch als ich gerade gehen wollte, sah ich die Tür aufgehen. Ich hatte Angst. Was passiert mit mir, wenn sie mich sieht? Ich ging wieder hinter den Busch. Da stach mich eine Wespe. Ich jaulte auf: «Aaauutsch!» Da sah sie mich und fauchte mich an: «Du blöder Elefant, mich so zu erschrecken. Was suchst du hier?» Ich sagte: «Nichts.» Und ich ging. Das war die erste Enttäuschung zum Thema Liebe.

Aber da gab es noch Barbara. Ich dachte, sie sei perfekt für mich. Aber da erfuhr ich, dass sie bald heiraten wird.

Ein paar Jahre später fand ich Luise. Luise war wunderbar. Doch dann gab es einen furchtbaren Streit, und wir waren zerstritten. Da hatte ich genug. Ich wollte nichts mehr von Frauen wissen.

Eines Abends ging ich in eine Disco. Da sah ich wieder eine hübsche Frau namens Antonia. Doch die tanzte schon mit einem anderen Mann. Ich fuhr total verwirrt nach Hause und sah den Hund am Strassenrand nicht. Ich, der Tiere doch so sehr mag, habe mit meinem Auto einen Hund angefahren, dachte ich. Ich nahm ihn zu mir nach Hause und pflegte ihn. Am nächsten Tag ging ich mit ihm zur Polizei. Die Polizei kontrollierte seinen Mikrochip, und es wurde bekannt, dass sein Name Jimmy war. Er wurde am 12. Mai 2012 geboren. Seine Besitzerin hiess Melanie und wohnte im Nachbarsdorf. Ich wollte Jimmy noch heute dieser Melanie bringen. Also ging ich. Das Haus war leicht zu finden. Melanie war sehr froh, dass ihrem Liebling nicht viel passiert war. Sie dankte mir auch herzlich.

Ich fand sie sehr toll. Von da an trafen wir uns immer wieder. Eines Tages passierte etwas, womit ich nicht gerechnet hatte. Sie sagte mir, dass sie sich in mich verliebt habe. Da gestand ich ihr, dass ich mich auch schon länger in sie verliebt hatte. Wir waren ein absolutes Traumpaar. Zwei Jahre später, ich hatte alles super vorbereitet, kam sie. Ich wartete, bis sie eingeschlafen war. Da ging ich hinaus und zündete ein Feuer an. In ihrem Zimmer wurde es hell, und sie erwachte. Melanie kam nach draussen. Ich hatte Marshmallows am Feuer geröstet. Wir assen sie und hatten es lustig. Dann endlich fragte ich: «Willst du mich heiraten?» Sie sagte: «Ja.» Sie weinte vor Freude.

Ich denke an die Worte von meinem Grossonkel und bin froh, dass ich mehr Glück in der Liebe habe. Jetzt bin ich müde. Die Hochzeit morgen wird aufregend.


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