Hundegeheimagent Rollo

KLUB DER JUNGEN DICHTER ⋅ Kilian Arnold, Spiringen, 2. Oberstufe

Wir hatten uns seit der Sache von damals nicht mehr gesehen, und plötzlich sassen wir uns unverhofft im Zug gegenüber.

Hallo, mein Name ist Rollo, und ich bin Hundegeheimagent. Wie jeden Morgen sitze ich mit meinem Herrchen im Zug, denn wir gehen jeden Morgen eine grosse Runde Gassi. Aber plötzlich passiert etwas sehr Seltsames. Ein grosser, schwarzer Hund steigt mit seinem Frauchen in den Zug, und sie setzen sich genau gegenüber von uns hin. Aber es ist nicht nur ein grosser, schwarzer Hund. Nein, es ist der gefährlichste und kriminellste Hund auf Erden. Sein Name ist Blackjack. Und ich habe ihn vor acht Jahren hinter Gitter gebracht.

«Hallo Rollo, schon lange nicht mehr gesehen», sagt er zu mir. «Blackjack, was machst du hier? Ich dachte, du bist immer noch hinter Gittern», kläffe ich zurück. «Nein, ich bin schon lange wieder frei.» Blackjack hatte vor acht Jahren den Sandmann zwei Tage als Geisel genommen. Deshalb konnten alle Kinder zwei Nächte nicht schlafen. Ich war damals noch bei einem anderen Herrchen. Irgendwie ist es mir damals gelungen, Blackjack festzunehmen und somit den Sandmann zu befreien. «Was hast du nun vor, Blackjack?», frage ich ihn neugierig. «Nichts Besonderes, ich will nur mein Hundeleben leben und es geniessen, Rollo», antwortet er mit einem breiten Grinsen im Gesicht. Aber das nehme ich ihm nicht so schnell ab. Ein Hochkrimineller, der nicht die Welt erobern oder zerstören will, sehr eigenartig, denke ich mir. Ich merke, dass sich mein Herrchen sehr gut mit Blackjacks Frauchen versteht, das gibt mir die Möglichkeit herauszufinden, was er vorhat.

Mein Herrchen und ich verlassen die U-Bahn an der 3. nördlichsten Station Richtung New York. Nach einem zehnminütigen Fussmarsch kommen wir in unserer Wohnung an. Mein Herrchen informiert mich, dass wir am Abend Besuch bekommen, aber von wem, sagt er nicht. Der Besuch ist nicht etwa ein Frauchen mit einem Labrador, nein, es sind Blackjack und sein Frauchen. Mein Herrchen redet und flirtet den ganzen langen Abend, und ich versuche schon die ganze Zeit herauszufinden, was Blackjack vorhat. Er telefoniert einmal mit seinem Hundephone. Es geht um einen Hasen. Hat er etwa vor, den Osterhasen zu kidnappen? Das wäre sehr schlimm. Ohne den Osterhasen bekommen alle Kinder kein Ostergeschenk.

Ich habe eine Idee: Ich habe in meinem Zimmer einen Chip, in dem ein Sensor und ein GPS-System darin sind. Wenn ich den Sensor Blackjack irgendwo hinstecken könnte, ohne dass er es merkt, könnte ich ihn die ganze Zeit beobachten. Am besten ist es, wenn ich ihm ins Ohr knabbere und somit den Sensor befestige. Also nehme ich all meinen Mut zusammen und springe mit dem Sensor im Mund auf Blackjack los und knabbere ihm ins Ohr. Tatsächlich, es hat geklappt, der Sensor ist hinter dem Ohr befestigt, allerdings kläfft er mich etwa eine Minute an, und Blackjacks Frauchen geht nach dieser Aktion mit Blackjack nach Hause. Mein Herrchen ist auch nicht gerade so begeistert darüber. Aber es hat sich gelohnt, hoffentlich.

Ich hatte die Hoffnung schon fast verloren. Aber zwei Tage vor Ostern nähert sich Blackjack dem Osterwald, wo der Osterhase wohnt. Ich beschliesse ihm zu folgen und rufe die Hundepolizei. Nach zehn Minuten bin ich gemeinsam mit der Hundepolizei beim Osterhaus. Wir kommen gerade rechtzeitig, denn Blackjack hat den Osterhasen schon an das Bett gefesselt. Ich wusste doch, dass er nicht in den Ruhestand gegangen ist. So ein Bösewicht wie Blackjack gehört ins Gefängnis. Man darf sich gar nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn Blackjack mit seinem Plan durchgekommen wäre. Die armen Kinder, ohne Ostergeschenke, das wäre eines der schlimmsten Verbrechen überhaupt.

Die Hundepolizei nimmt Blackjack mit ins Gefängnis, und Ostern kann ohne grosse Unruhe beginnen. Und ich, Rollo, kann gemütlich ohne Stress mein Hundeleben geniessen.


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