Paris, Paris

KLUB DER JUNGEN DICHTER ⋅ Lena Müller, Kottwil, 3. Sek

Ich hatte ihn schon auf Bildern gesehen, doch als ich endlich in Paris war, wurde ich doch nervös. Was, wenn er ganz anders ist, als ich ihn mir vorgestellt hatte? Dann stand ich endlich direkt vor ihm, die untergehende Sonne warf ihre letzten Strahlen auf uns, und ich sah zu ihm empor. Ich wusste damals schon von Freundinnen, dass der Eiffelturm beeindruckend war, doch ich hätte nie gedacht, dass er die Liebe meines Lebens sein würde. Als er nun so vor mir stand, war mir sofort klar, dass er es sein würde, mit dem ich den Rest meines Lebens verbringen wollte. «Es wird mich niemand verstehen. Es wird genau gleich wie damals mit der Affäre mit der Berliner Mauer sein. Alle werden mich für gestört, krank oder verrückt erklären. Doch dieses Mal werde ich es ihnen schon zeigen, dass ich es ernst meine», dachte ich.

Noch am nächsten Tag ging ich zum Standesamt. Ich betrat den Raum. Ausser mir war nur noch ein anderes Pärchen im Raum bereits eifrig am Formulare-Ausfüllen. Ich trat an den Schalter, die junge Frau dahinter reichte mir die Formulare und einen Kugelschreiber. Wann möchten Sie denn heiraten?», fragte sie und sah mich erwartungsvoll an. «So bald wie möglich», erwiderte ich, während ich begann, die Formulare auszufüllen. «Mal sehen», murmelte sie, während sie auf den Bildschirm vor sich starrte. «Also, wir hätten Ihnen in sieben Tagen am Nachmittag noch einen Termin», sagte sie und sah mich abwartend an. «Okay, den nehmen wir», antwortete ich entschlossen.

Sie überflog das erste Formular, und wie erwartet stutzte sie beim Namen des Mannes. Sie schaute mich ungläubig an und fragte: « Eiffelturm, also den Eiffelturm?» – «Ja, natürlich», gab ich zurück. Die Frau sah mich etwas verwirrt an und sagte: «Verzeihung, aber da muss ich abklären, ob das überhaupt möglich ist.» «Wieso sollte das denn nicht gehen?», fragte ich aufgebracht. Sie sah mich etwas verzweifelt an: «Nun ja … es ist eine Sehenswürdigkeit», stammelte sie verunsichert. «Ich kann Ihnen eine Nachricht zusenden, sobald ich alles abgeklärt habe», bot sie an. «Ja bitte, machen Sie das», antwortete ich genervt und verliess das Gebäude.

Ich konnte es nicht glauben, das war doch eine Unverschämtheit. Doch erhielt ich zwei Tage später die Erlaubnis, ihn zu heiraten. Ich rief sofort meinen Vater an, obwohl er mich nie verstanden hatte. Ich war so aufgeregt. «Dad, ich werde heiraten!», quietschte ich. «Schön, mein Schatz, wen denn?», fragte mein Vater. «Den Eiffelturm!», kreischte ich fast. «Den WAS?», schrie mein Vater. «Ich hätte es wissen müssen», sagte ich darauf niedergeschlagen und legte den Hörer auf. Obwohl mein Vater und der Rest meiner Verwandtschaft es nicht verstehen konnten, habe ich den Eiffelturm wenige Tage darauf geheiratet. Es war der schönste Tag meines Lebens.


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