Siegertext Primar von Arslan Yilmaz (10)

Die unterschätzte Kiste

Auf dem Estrich stiess ich auf eine alte Kiste, die ich noch nie gesehen hatte. Ich war neugierig, was drin sein könnte, aber ich wollte sie nicht öffnen, falls es etwas Gefährliches ist.

Ich ging runter zu meinem Vater, der gerade Zeitung las. Ich fragte ihn nach der Kiste, aber er antwortete leider: «Ich weiss auch nicht, was in der Kiste ist.» Da kam die Mutter mit einem Wäschekorb vorbei. Sie fragte: «Was macht ihr gerade?» Ich antwortete: «Wir versuchen herauszufinden, was da drin ist.» Sie guckte auf die Schachtel und sagte: «Wir könnten Oma im Altersheim besuchen, sie weiss sicher, was da drin ist.»

Also gingen wir ins Altersheim, dort freute sich Oma, uns zu sehen, denn sie bekam nur sehr selten Besuch. «Wir haben diese Truhe auf dem Estrich gefunden, wir wissen nicht, was drin ist, weisst du es?» Wir zeigten ihr die Kiste, Oma guckte sie lange an und überlegte. Schliesslich sagte sie: «Ich weiss leider nicht, was drin ist.» Wir guckten sie enttäuscht an. «Aber ich habe eine bessere Idee, und zwar gehen wir zum Doktor, der röntgt die Kiste mit seinen Maschinen, und wir wissen, was drin ist.»

Alle waren einverstanden. Etwas später sassen wir alle im Auto, da Oma nicht mehr so gut laufen konnte. Wir fuhren so schnell wie möglich zum Doktor. Dort angekommen, zahlten wir eine Menge Geld für die Röntgenaufnahmen. Fünf Minuten später kam der Doktor mit einer enttäuschten Miene zurück. «Die Kiste besteht aus Blei, dadurch kann ich nicht mit dem Röntgengerät sehen.» Alle waren enttäuscht. Plötzlich rief mein Vater: «Der Bürgermeister behauptet immer, er wüsste alles.» «Dann gehen wir jetzt zum Bürgermeister», sagte ich. Da rief der Doktor: «Ich komme mit, ich will auch wissen, was da drin ist. Wir könnten mein Dienstfahrzeug nehmen, mit Blaulicht sind wir schneller dort.» Mit Blaulicht und Sirenengeheul ging es zum Bürgermeister. Als wir beim Rathaus ankamen, wunderte sich der Bürgermeister, dass wir keinen Termin hatten. «Was befindet sich in dieser Kiste, können Sie mir das sagen?», rief ich. Der Bürgermeister meinte: «Woher soll ich das wissen?» – «Sie sagen doch immer, Sie wüssten alles», schrie mein Vater ihn an. «Aber nur, weil der Präsident mir alles erzählt, was passiert», jammerte der Bürgermeister, «geht doch zu dem.»

Wir fuhren weiter, diesmal mit dem Bürgermeister. Er war wie der Arzt auch neugierig geworden. Aber wie es bei den anderen war, wusste der Präsident auch nicht, was in der Kiste war. Uns blieb nichts übrig, als sie zu öffnen. Gespannt beobachteten wir, wie der Präsident den Deckel hob. Die Kiste war jetzt offen, und wir sahen ... nichts. In der Kiste war nichts drin.

Alle waren stinksauer. «All den Aufstand für nichts», riefen wir im Chor. Aber schnell beruhigten wir uns wieder. Und die Geschichte war wieder schnell vergessen, als der Präsident die Kiste in den Müll verordnete und alle nach Hause gingen.

Am nächsten Tag sass ich wieder am Frühstück, und mein Vater las Zeitung, bis er in Ohnmacht fiel. Erschrocken starrte ich auf die Zeitung. Dort stand: «Müllarbeiter bringt verschollene Kiste ins Museum zurück. Der Finderlohn beträgt eine Million Franken.» Und ich fiel auch in Ohnmacht.

Yilmaz Arslan, Hochdorf, 5. Primar

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