Die verborgene Burg

Unsere Klasse hält nicht immer zusammen, doch als es wirklich darauf ankam ... Aber ich erzähle besser von Anfang an:

Es war ein normaler Montagmorgen, die Klasse stritt sich wieder einmal wegen eines Fussballspiels, bis Samuel bemerkte, dass Lars fehlte. Wenig später kam der Lehrer herein. Er erklärte uns: «Lars kommt nicht mehr zur Schule. Sein Haus wird in drei Tagen abgerissen. Dort wird eine neue Fabrik gebaut!»

Der Tag wurde sehr langweilig ohne Lars. Am Nachmittag beschlossen wir, etwas zu unternehmen. Wir schmiedeten einen Plan. Karl, der Sohn des Bürgermeisters, erinnerte sich: «Mein Grossvater erzählte früher immer von einer Burg, die neben dem Haus von Lars gestanden haben soll. Da müssten doch noch alte Pläne im Büro meines Vaters sein!» Wir beschlossen, am nächsten Abend den Wachmann abzulenken, damit Karl die Pläne stibitzen konnte.

Am Dienstagabend versammelte sich die Klasse vor dem Gemeindehaus. Karl hatte die Schlüssel zum Büro dabei, die er heimlich dem Vater entwendet hatte. Karl und Samuel schlichen ins Büro, während die Klasse den Wachmeister herauslockte. Plötzlich kam Karls Vater nach Hause. Aber in diesem Moment huschten Karl und Samuel mit den Plänen aus dem Gemeindehaus. Wir schlichen in das Gartenhaus von Lars, da bemerkte uns niemand. Alle schauten die Pläne gespannt an. Karl bemerkte: «Genau unter dem Gartenhaus befand sich die Schatzkammer der Burg!» «Das ist ja super, dann wird im Garten von Lars ein Museum gebaut!», jubelte Anna. «Und das Museum wird nicht so gross, dann muss man das Haus von Lars nicht abreissen», meinte Samuel. «Aber wie wollen wir das beweisen, man sieht die Burg ja nicht mehr?», fragte Manuel. Karl antwortete: «Dann müssen wir eben graben. Morgen nach der Schule bringen alle eine Schaufel mit.»

Am Mittwochnachmittag begannen wir zu graben. Wir wechselten uns ab, schwitzten, keuchten, und schon bald hatten wir Blasen an den Händen. Wir fanden nur Steine und Wurzeln, da wollte Manuel schon aufgeben. Doch Karl und die andern gaben nicht so schnell auf. Karl schuftete weiter, bis er nur noch mit dem Kopf aus der Grube herausschaute. Plötzlich schrie er: «Ich werde verrückt, das ist kein Stein, das ist eine Goldmünze!»

Sofort griffen die anderen wieder zur Schaufel, und bald stiessen wir auf ein grosses unbekanntes Etwas, das wir freibuddeln wollten. Es schien eine eiserne Truhe zu sein. Wir schafften es aber nicht, die Truhe freizugraben. Schliesslich fassten wir gemeinsam den Entschluss, unseren Fund nicht länger geheim zu halten. Karl erzählte am Abend seinem Vater davon. Dieser eilte sofort zum Gartenhaus und half beim Ausgraben der Truhe. Als wir diese öffneten, blieb uns allen der Mund offen stehen. Die Truhe war voll mit goldenen Schmuckstücken. Karls Vater vermutete: «Da müsste noch mehr von der Burg übrig sein.»

Am andern Morgen stoppte er den ganzen Bau der Fabrik und liess die Archäologen kommen. Diese gruben die ganze Woche und legten eine grosse Burgruine frei. So kam es, dass der Bau der Fabrik verhindert werden konnte und neben der Ruine ein kleines Museum gebaut wurde, mit all den Fundstücken, welche wir als Klasse und die Archäologen ausgegraben hatten.

Unser Einsatz hatte sich also gelohnt. Das Haus von Lars wurde nicht abgerissen, und er kann weiterhin mit seinen guten Kollegen zur Schule gehen! Übrigens schoss er gestern auch das entscheidende Tor, welches unserer Fussballmannschaft den Sieg in der Meisterschaft sicherte.

Joel Blum

Pfaffnau, 6. Primar

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