Chefsache

Die harte Linie

Jérôme Martinu über die jüngsten Auswüchse in Schweizer Fussballstadien.
22. April 2017, 00:00

Es ist eine Chronologie des Ärgers. Eine unvollständige Aufzählung der jüngsten Auswüchse sogenannter Fussballfans: Blau-weisser Nebel sorgt am Montag im FCL-Stadion für einen Spielunterbruch, später böllern St.Galler Chaoten im Luzerner Bahnhof und ziehen die Zugnotbremse. Am Karsamstag beschädigen Sion-Anhänger an einer Aargauer Raststätte den Servette-Teambus, zwei Chauffeure werden durch Glassplitter leicht verletzt. Bei einer illegalen «Import-Aktion» eines ganzen Knallkörper-Arsenals von Deutschland nach Luzern Anfang April zündet ein 15-Jähriger eine Pyrofackel. Das sorgt nicht nur in der S-Bahn in Emmenbrücke für erheblichen Sachschaden, der Teenager muss sich nach der hirnlosen Aktion auch verarzten lassen. Ende März wird bekannt, dass die Bundesanwaltschaft erstmals Anklage gegen einen Chaoten erhebt: Ein St.Galler (23) hatte in der Luzerner Swisspor-Arena Spreng- und Rauchkörper gezündet und damit einen Unbeteiligten nachhaltig am Gehör verletzt. Anfang März zündet ein Unverbesserlicher in der Partie Sion – St.Gallen einen Knallkörper auf der Tribüne: Zwei Kinder (11 und 13) müssen ins Spital – Hörschaden.

Es ist unsäglich. Warum bloss begreifen diese Chaoten nicht, wie sehr sie mit ihrem stupiden Verhalten dem Fussball, ihrem eigenen Klub schaden? Es ist definitiv richtig, dass Polizei und Verband bei den Vereinen Druck machenund bessere Überwachungssysteme verlangen. Im FCL-Stadion gibt’s darum neuerdings hochauflösende Kameras. Diese erkennen Gesichter auch aus 200 Metern Entfernung. Ja, solche Anschaffungen sind teuer. Das sind aber auch die mit Steuergeldern finanzierten Polizeieinsätze ausserhalb der Stadien. Im Kampf gegen Chaoten ist die harte Linie die einzig richtige. Die Klubs müssen ihren Anteil ohne Murren leisten.

Jérôme Martinu, Chefredaktor

jerome.martinu@luzernerzeitung.ch

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