Protest gegen eine Sparmassnahme

«Dienstaltersgeschenk: Die einzige Anerkennung für Lehrer», Ausgabe vom 30. Mai
03. Juni 2016, 11:30

Was müssen wir Lehrer uns eigentlich noch alles gefallen lassen? Erhöhung der Pflichtstunden, ständige Reformen, Lohnkürzungen (denn das neue Lohnsystem ist eine Mogelpackung), und nun will man auch noch das Dienstaltersgeschenk einsparen. Sicher vertreten viele die Meinung, bei 13 Wochen Ferien sei das ja auch in Ordnung. Aber wer diesen Beruf wirklich kennt, weiss, dass die Realität anders aussieht. Das Ziel eines jeden Arbeitgebers müsste doch sein, seine Angestellten zufrieden zu halten, damit sie ihren Job mit Motivation und bei bester Gesundheit erledigen können. An Motivation fehlt es den meisten Lehrern sicher nicht. Aber so langsam fragt man sich, warum man sich diesen enormen Anforderungen überhaupt noch stellen soll. Das einzige, was einen im Moment noch motiviert, sind die Jugendlichen, die man auf einen guten Weg bringen konnte. Es ist ziemlich egal, in welchem System die Schüler lernen. Am Ende steht und fällt alles mit dem Lehrer. Schade, dass das nicht mehr honoriert werden soll, wenn man lange Freude an diesem Beruf hat und damit auch einen guten Beitrag in dieser Gesellschaft leistet.

Uta Koitzsch, Sekundarlehrerin, Triengen

Der Verzicht auf das Dienstaltersgeschenk ist schweizweit einzigartig. Er wird nicht nur bei den Lehrpersonen als starkes Zeichen mangelnder Wertschätzung empfunden. Zudem würden die Anstellungsbedingungen im interkantonalen Vergleich geschwächt. Doch bleibt diese Massnahme nicht alleine. Mit der Kürzung der Weiterbildungsbeiträge an die Schulen wird sich der Fachkräftemangel (insbesondere im Bereich der Integrativen Förderung) künftig weiter verschärfen. Der grösste Brocken jedoch ist die geplante Erhöhung der Unterrichtslektionen. Eine Lektion mehr Unterricht pro Woche entspricht rund 65 Arbeitsstunden pro Jahr. Diese 65 Arbeitsstunden werden in erster Linie an ausserschulischen Anlässen fehlen. Dies betrifft zum Beispiel die Zusammenarbeit mit den Eltern (weniger Zeit für Elterngespräche) und hauptsächlich die Mitarbeit bei speziellen Erlebnissen für Kinder (Fasnachtsumzüge, Projektwochen, Turniere und Sportanlässe). Oder sollen unsere Kinder künftig kein Schullager mehr erleben dürfen? Fünf Tage Lager mit zwanzig Kindern entspricht etwa 100 Stunden Arbeit (die Vorbereitung nicht mitgerechnet).

Martin Huber, Verband der Schulleiterinnen und Schulleiter Kanton Luzern, Luzern

Lehrkräfte stehen beruflich oder privat in ständigem Kontakt zu KMU-Betrieben. Sie bekommen damit zwangsläufig einen Einblick in die Betriebskulturen bei Arbeitgebern. Die seit Jahren anhaltenden Sparaktionen der Luzerner Politik haben uns hellhörig gegenüber Anstellungsbedingungen in Gewerbebetrieben gemacht. Wir dürfen feststellen, dass die meisten Betriebe mit Lernenden und Angestellten sehr sorgfältig umgehen. Den Angestellten wird grosse Anerkennung gezollt für die Arbeit, welche sie täglich gewissenhaft leisten. Korrekte Anstellungsbedingungen und oft überraschende zusätzliche Annehmlichkeiten für die Belegschaft sind dafür spürbare Zeichen. Es herrscht das Bewusstsein vor, dass der Erfolg des Betriebs in fast jeder Beziehung von guten Leistungen der Angestellten abhängt. Eine lobenswerte Erkenntnis der Gewerbebetriebe.

Warum sollen diese betriebswirtschaftlichen Erfahrungen bei der Arbeit für den Grossbetrieb Kanton Luzern nicht gelten? Was rechtfertigt den Kanton Luzern, die Angestellten für nicht eintretende Erfolge bei der Steuerpolitik abzustrafen? Welche Schuld müssen Arbeitnehmende für die Finanzlücken des Kantons auf sich nehmen und begleichen? Die vorgesehene Abstrafung des Personals, wie es der Planungsbericht der Regierung vorsieht, ist nicht gerechtfertigt. Er ist verwerflich!

Ingrid Guntern im Auftrag der Stufenverantwortlichen Kindergarten und Primarschule Büron

Und sie bewegt sich doch (oder doch nicht?). Die Wissenschaftler Kopernikus und Galileo Galilei haben im 17. Jahrhundert das ptolemäische Weltbild mit der unbeweglichen Erde als Zentrum des Weltalls widerlegt. 1633 musste er diese epochale Erkenntnis in einem Inquisitionsverfahren widerrufen, worauf er gesagt haben soll: «Und die Erde bewegt sich doch.»

In der Frage der Steuerstrategie im Kanton Luzern stehen die Verantwortlichen in einer vergleichbaren Situation. «Was nicht sein darf, darf nicht sein, selbst wenn es richtig wäre.» Seit dem Greifen der tieferen Kantonssteuersätze und der Halbierung der Unternehmenssteuer folgt Sparpaket auf Sparpaket. In fast allen wichtigen Lebensbereichen des öffentlichen Lebens wird ständig Leistungsabbau durchgeboxt. Hilflos wird der Zeitpunkt, zu dem diese Strategie den versprochenen Erfolg bringen wird, ständig um Jahre verschoben. Es gibt ideologische Gruppen, welche an der Richtigkeit dieses Strategie-Irrtums festhalten wollen.

Weil das ptolemäische Weltbild so lange als richtig erachtet wurde, wollte man es nicht korrigieren, selbst wenn es falsch war. Die Tiefsteuerstrategie soll nicht korrigiert werden, obwohl sie sich als falsch erweist. Obwohl unser Kanton sowie viele Gemeinden finanziell nicht gut dastehen, kann er sich ein Steuergeschenk in der Höhe von 4 Millionen Franken an die Aktionäre der Kantonalbank leisten! Die Zeche dafür bezahlen andere! Der Kanton Luzern tut gut daran, den Umgang mit seinen Angestellten schnellstmöglich zu korrigieren.

Franz Thürig,

Wauwil

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