Es bräuchte eine respektvolle und sachliche Würdigung von 20 Jahren Esskultur

«‹Maihöfli› sucht neuen Pächter», Ausgabe vom 6. November
10. November 2017, 04:38

Nach 20 Jahren schliesst das legendäre «Maihöfli». 20 Jahre Quartierbeiz, Integrationspunkt, Lokalkultur. Aber auch Arbeitsplatz, Steuerzahler und eben 14 Gault-Millau-Punkte. Und dies nicht als Prime Site an der Seepromenade oder auf dem Bürgenstock, sondern an einer lauten Kantonsstrasse im einfachen Maihofquartier. Der Maihof hat vom «Maihöfli» gelebt, das «Maihöfli» vom Maihof. Danke, Peter! Nach all dem, was Peter Burri in diesen Jahren geleistet und erreicht hat, wäre etwas mehr Respekt ihm gegenüber angebracht. Genüsslich werden im Bericht die «Widerhandlungen gegen das Lebensmittelgesetz» erneut aufgezählt. Natürlich ist es einfacher, mit dem Finger auf den «Täter» zu zeigen, als sich differenziert mit dem Thema auseinanderzusetzen. Wie viel Regulierung ist vernünftig? Wo beginnt Überregulierung? Wer von uns hat noch nie gegen eine – noch so unvernünftige – Vorschrift verstossen? Kann man als Kleinunternehmer überhaupt immer jedes Detail eines jeden Regelwerkes kennen und erfüllen? Wäre es im Fall «Maihöfli» nicht angebracht gewesen, Augenmass und gesunden Menschenverstand zu zeigen? Wer weiss, hätten wir etwas mehr Grosszügigkeit und Kulanz walten lassen, statt den Schuldigen zu suchen und an den Pranger zu stellen, gäbe es das «Maihöfli» vielleicht auch in Zukunft noch.

 

Felix Howald, begeisterter Gast des «Maihöfli», Luzern

 

Ein Dankeschön an Peti Burri vom «Maihöfli». Heute ist überall der Druck hoch, im Gastgewerbe ganz besonders: tiefe Margen, grosse Erwartungen, Zeitdruck und Normen, die nicht immer Sinn ergeben. Peti Burri hat keine Lust mehr. Dies ist ein riesiger Verlust für die Luzerner Beizenszene. Der 14-Punkte-Koch hat sich 20 Jahre lang von früh bis spät abgerackert, hat über die Jahre als Arbeitgeber für mehr als 50 Mitarbeiter gewaltet. Hat sich eingesetzt am Fumetto, beim FCL und den Festwochen. Eine entsprechende Würdigung fehlt. Yasmin Kunz genügt es, die alte Geschichte einer verfaulten Tomate aufzuwärmen. Peter Burri verdient es besser, und ich möchte ihm hier im Namen der vielen sehr zufriedenen Gäste danken, dass er eben nicht nur ein Gourmet-Koch, sondern auch ein volksnaher, lustiger und günstiger Gastwirt war, bei dem man sich – bei gutem Essen – von den Sorgen des Alltags etwas erholen konnte.

 

André Friedli, Vésenaz (GE)

 

Aufgewärmte, verschimmelte Berichterstattung, wieder und wieder. Wo bleibt die journalistische Verantwortung? Peter Burri hat sich bei seinen Gästen entschuldigt. Wie geht die Redaktion mit ihrer Haltung um? Wann kommt die respektvolle, würdige und sachliche Berichterstattung zu den 20 Jahren Esskultur unserer Stadt?

 

Felice Bruno, Luzern

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