Zur Sexismus-Debatte

«Ach, ich hab sie ja nur auf die Schulter geküsst» Ausgabe vom 14. November
22. November 2017, 04:41

Gottlieb F. Höpli vertritt in seinem Gastbeitrag den Standpunkt, die Sexismusdebatte schade den Frauen mehr, als sie ihnen nütze. Vielmehr sollen Frauen seiner Meinung nach anerkennen, dass sie «hierzulande noch nie so viele Freiheiten besassen, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen».

Sexuelle Übergriffe sind sehr oft eine Folge von Machtverhältnissen, sei dies aufgrund von körperlicher Überlegenheit oder aufgrund einer höheren Position. Es wäre wohl ehrlicher zu sagen, man möchte bestehende Verhältnisse und Geschlechterunterschiede zementieren, als sich über die aktuelle #MeToo-Debatte aufzuregen. Tut man die Diskussionen zu sexuellen Übergriffen als «Medienhype» ab, so muss man sich jedenfalls nicht mit Lösungen befassen. Herr Höpli ist leider nicht der einzige, welcher sexuelle Belästigungen und die aktuelle Debatte kleinredet, weil sie immer auch von der subjektiven Empfindung des Opfers abhängt. Die Debatte deshalb zu verweigern, führt aber nirgends hin. Sinnvoller wäre es doch – gerade aufgrund dieser Verunsicherungen – Sensibilisierungsmassnahmen zu fordern und sich vertieft mit dem Thema auseinanderzusetzen. In einem einzigen Punkt gebe ich dem Autor recht: Grabenkämpfe zwischen Männern und Frauen bringen uns nicht weiter. Aber die Angst in den Vordergrund zu stellen, als Mann unter Dauerverdacht zu stehen und Opfer des Weinsteinstempels zu werden, vergrössert den Graben nur.

Sara Agner, Kantonsrätin SP, Dagmersellen

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