Handys: Bieten die Grenzwerte Schutz vor der Strahlenbelastung?

«Wie gefährlich ist Mobilfunk wirklich?», Ausgabe vom 18. Juli
09. August 2017, 04:39

Der interessante Artikel von Andreas Lorenz-Meyer hinterlässt einen zwiespältigen Eindruck. Zum einen empfehlen Experten Schutzmassnahmen vor übermässiger Strahlenbelastung, beteuern aber, dass die geltenden Grenzwerte ausreichenden Schutz bieten würden. Weshalb braucht es denn solche Empfehlungen?

Wieso vertritt insbesondere Professor Martin Röösli die Meinung, dass es angeblich keine Hinweise auf Gesundheitsauswirkungen unterhalb der Grenzwerte geben würde? Ihm sind die vielen industrieunabhängigen Studien sehr wohl bekannt, die genau das Gegenteil belegen. Ignoriert er sie einfach, weil sie nicht ins Konzept passen?

Röösli ist vom Bundesrat damit beauftragt, die Schutzwirkung der Grenzwerte zu beurteilen. Regelmässig lässt er verlauten, dass aus wissenschaftlicher Sicht keine Notwendigkeit zur Anpassung der Grenzwerte bestehen würde. Dies ist im Sinne seines Auftraggebers, der mit der Vergabe von Mobilfunkkonzessionen sehr viel Geld einnimmt und den Mobilfunkanbietern im Gegenzug hohe Grenzwerte per Verordnung garantiert.

Gleichzeitig ist Röösli für die Forschungsstiftung Mobilfunk und Strom (FSM) tätig, die von der Industrie gegründet und finanziert wurde. Sie leugnet systematisch die Risiken von Strahlung. Er ist auch Mitglied des 14-köpfigen und von der Industrie initiierten Vereins Icnirp, der international und auch in der Schweiz die zu hohen Grenzwerte für Strahlung zu verantworten hat.

Es ist zudem ausführlich dokumentiert, dass das Projekt der WHO zu den gesundheitlichen Risiken des Mobilfunks vom Icnirp-Verein dominiert wird. Es wundert deshalb nicht weiter, dass die neue Beratungsgruppe für nichtionisierende Strahlung (Berenis) des Bundesamtes für Umwelt ausgerechnet durch das Icnirp-Mitglied Martin Röösli geleitet und administriert wird. Der Kreis schliesst sich, und es sollte klar sein, dass der Bock zum Gärtner gemacht wurde.

Markus Lauener,
Präsident Dachverband Elektrosmog Schweiz und Liechtenstein, Libingen

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