Meine Woche

Selber beobachten!

22. März 2015, 05:02

In dieser Woche hat Alex Frei sein mediales Schweigen beendet. Im Gespräch mit dem «Blick» gab er ein bisschen Einblick in sein aktuelles Leben und wagte auch einen Blick zurück, Richtung Luzern: «Wenn ich (als FCL-Sportchef) abends nach Hause kam, wollte ich den Fussball vor der Türe lassen. Das ist mir nicht mehr gelungen. Ich konnte nicht mehr abschalten ... Ich schlief noch zwei, drei Stunden pro Nacht.» Mit anderen Worten: Der frischgebackene Sportchef war überfordert. Nichts mehr, nichts weniger.

Noch kurz vor seinem Rücktritt hatte Alex Frei ja kräftig ausgeteilt, getreu der Devise: Schuld sind die anderen. So hatte er in einem Interview mit Blick auf den FC Luzern von einem «Haifischbecken» gesprochen. Und prompt delektierten sich dann etliche auswärtige Medien an diesem Bild vom angeblich haifischverseuchten FC Luzern.

Doch dann kam ein neuer Trainer nach Luzern. Der Deutsche Markus Babbel. Und in den Augen dieses in der internationalen Medienszene gestählten Mannes präsentieren sich die Verhältnisse in der Innerschweiz ganz anders, nämlich als «Kindergeburtstag», wie er Journalisten sagte.

Und was ist jetzt die Wahrheit? Gemahnen die Verhältnisse beim FC Luzern tatsächlich an ein Haifischbecken – oder eher im Gegenteil an einen Kindergeburtstag? Derart krasse Unterschiede in der Einschätzung von Verhältnissen illustrieren vor allem eine Grundregel im öffentlichen Umgang: Massgeblich sind immer wieder die konkreten Interessen öffentlicher Figuren zum jeweiligen Zeitpunkt. Diese Einschätzungen sind immer auch interessengetrieben. Wer also als Beobachter nach Annäherung an die Realität strebt, sollte derlei Aussagen nicht zum Nennwert nehmen. Stattdessen ist eigene Beobachtung angesagt. Und kritischer Medienkonsum. In der Politik übrigens nicht weniger als im bezahlten Sport.

Thomas Bornhauser, Chefredaktor


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