Barfuss durch den Hochschwarzwald

NATURERLEBNIS ⋅ Zurück zur Natur – so könnte das Motto für Ferien im Hochschwarzwald lauten. Neben geniessen kann man dabei auch viel Neues lernen.
04. September 2017, 16:44

Wann sind Sie zuletzt barfuss über eine Wiese gegangen? Sollte dieses Ereignis schon längere Zeit her sein, ist eine Wiederholung empfehlenswert. Zumindest wenn es nach Markus Dutschke geht. Er bietet im Hochschwarzwald sogenannte Barfussing-Seminare an. «Das Barfussgehen ist die natürlichste Fortbewegungsart, es fördert das Wohlbefinden für Körper, Geist und Seele», sagt er. Das Gehen in Schuhen sei angelernt und unterscheide sich stark vom naturgemässen Gehen, erklärt Dutschke, der selbst, wenn immer möglich, barfuss unterwegs ist. So setzt man beim Barfussgehen mit dem Vorderfuss statt mit der Ferse auf. Dadurch wird die Muskulatur im ganzen Fuss gestärkt, und es gibt keine Schläge auf die Gelenke. Wer es testen will, hält sich einmal beim Gehen mit den Fingern die Ohren zu: Den Aufschlag, wenn die Ferse als Erstes auf den Boden trifft, kann man dann hören. 

Laut Markus Dutschke hat das Barfussgehen noch weitere Vorteile: «Barfuss geht man sicher und macht kaum Misstritte, weil man automatisch bewusster geht.» Zehntausende Rezeptoren in der Fusssohle helfen dabei. Und tatsächlich: Auch über borstige Wiesen und Schotterwege gehen die Seminarteilnehmer zunehmend trittsicher – wenn auch mit meist gesenktem Blick. Übung ist eben doch unerlässlich. Auf Asphalt zu gehen ist aber nicht empfehlenswert. Darauf trägt sogar Markus Dutschke (Barfuss-)Schuhe. Vielmehr empfiehlt sich der Gang über Wiesen und Felder. Dort können auch gleich noch die ätherischen Öle der Pflanzen über die Haut aufgenommen werden. 

Doch warum soll man für eine Barfusswanderung in den Hochschwarzwald gehen? Einerseits gibt es dort diverse speziell gestaltete Barfusspfade und -parks. Andererseits ist das Klima sehr angenehm – auch im Hochsommer wird es kaum über 25 Grad –, was die Region ideal macht zum Wandern, ob barfuss oder nicht.

140 Jahre lang vollständig waldfrei

So oder so ist das Naturerlebnis im Hochschwarzwald mit seinen grossen Wäldern und offenen Flächen, Hügeln, Tälern und Seen garantiert. Kaum zu glauben, dass diese Gegend zwischen 1650 und 1790 praktisch vollständig waldfrei war. Köhler und Brennholzflösser hatten den Hochschwarzwald praktisch vollständig gerodet. Erst die Steinkohle aus dem Ruhrgebiet, die das Holz entbehrlich machte, und die Wiederaufforstung ab der Mitte des 19. Jahrhunderts brachten den Wald zurück. Nur noch ein Bannwald um den Feldsee beim Feldberg hat einen ähnlichen Baumbestand wie der Urwald – bestehend aus Weisstannen, Buchen und Fichten. Dies und viel weiteres Wissenswertes über den Schwarzwald erfährt man in einer spannenden Ausstellung im Haus der Natur am Feldberg. Übrigens: Woher der Name Schwarzwald stammt, ist nicht ganz geklärt. Möglicherweise symbolisiert die Farbe Schwarz das Unheimliche des Waldes, vor dem die ersten Siedler grössten Respekt hatten. Eine andere Erklärung ist, dass sich das bewaldete Gebiet dunkel von der hellen Schwäbischen Alp im Osten abhebt.

Wer sich besonders für die Tierwelt begeistert, kommt im Hochschwarzwald ebenfalls auf seine Kosten. Hier befindet sich eines der fünf Rotwildgebiete in Baden-Württemberg. Rund 500 Rothirsche leben hier, die man an ausgewählten Abenden unter der Leitung eines Försters von einer Aussichtsplattform aus beobachten kann. Allerdings braucht es dafür etwas Glück – die Hirsche werden nämlich nicht mit Futter auf die Lichtung gelockt. So kann es auch sein, dass man sich mit Feldhasen begnügen muss.

«Iss nur, was du kennst»

Bestimmt nicht leer gehen Besucher auf dem Krummholzenhof aus. Dieser zuhinterst in einem Tal bei St. Märgen gelegene Bauernhof ist das Zuhause von «Kräuterwieble» Gertrud Kaltenbach. Sie bietet Führungen über Wild- und Gartenkräuter an. Dabei wird man auch kulinarisch verwöhnt, mit Blütenkräuterbutter auf selbstgebackenem Brot und Wildkräuter-Bowle. Doch bevor die bodenständige Bäuerin auf die einzelnen Kräuter eingeht, bläut sie ihren Besuchern ein: «Iss nur, was du kennst. Giftige Kräuter isst du nur einmal.» Ausserdem propagiert die Kräuterexpertin Nachhaltigkeit und Achtsamkeit: «Pflücke nur so viel, wie du brauchst.»

Die meisten Kräuter, so Kaltenbach, schmecken nicht nur gut, sondern haben auch eine heilsame Wirkung. Von Holunder beispielsweise lassen sich Blüten, Beeren, Blätter und Rinde verwerten. Letztere kann als Schmerzmittel verwendet werden. Tee oder Sirup aus Holunderblüten unterstützt das Immunsystem und ist gut gegen Halsschmerzen und Erkältungen. Die Brennnessel hilft bei Gelenkproblemen und Rheuma, sie enthält zudem viel Eisen. Isst man die Blätter roh, muss man sie einrollen, damit die Brennhaare auf der Innenseite sind. Sie schmeckt nussig und eignet sich als Blattspinat. Besonders für Männer interessant: Getrocknete Brennnesselsamen gelten als natürliches Viagra. Auch viele weitere Kräuter, die in Wald und Wiese anzutreffen sind, haben nützliche Eigenschaften: Sauerklee löscht den Durst, Spitzwegerich lindert – wenn man ihn zwischen den Händen verrieben hat – Insektenstiche und wirkt antibakteriell, Breitwegerich funktioniert wie ein Blasenpflaster, und so weiter. Man merke: Es lohnt sich, Notizblock und Fotoapparat bei der Führung dabei zu haben. Wenn nicht, kein Problem, geniessen kann man die Kräuter gleich vor Ort.

 

Seit über hundert Jahren eine Ferienregion

Im Süden des Schwarzwalds erstreckt sich der Hochschwarzwald. Der Feldberg, mit 1493 m ü. M. der höchste Gipfel des Schwarzwaldes, der Titisee sowie der Stausee Schluchsee bilden das Zentrum der Region. Das Gebiet ist seit über hundert Jahren ein beliebtes Tourismusziel. 

Lange Zeit galt die Region mehrheitlich als Ferienort für Pensionierte. Doch seit sich vor rund zehn Jahren einige Gemeinden im Rahmen der Organisation Hochschwarzwald Tourismus zusammengetan haben, hat sich die Klientel stark verjüngt.

Im Sommer locken grüne Wälder und Berge zahlreiche Wanderer, Velofahrer und Naturliebhaber in das Gebiet im Südwesten Baden-Württembergs. Im Winter finden sich Skifahrer und Snowboarder auf den Pisten am Feldberg ein. (bev)

Beatrice Vogel

Diese Reportage entstand im Rahmen einer Pressereise, zu der Hochschwarzwald Tourismus eingeladen hatte.


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