Vom Sonnendeck aufs Flussufer schauen

WASSERSTRASSE ⋅ Ruhig gleiten, schleusen, anlegen – auf gemächlicher Fahrt von Stadt zu Stadt im schwimmenden Hotel.
18. Juni 2017, 11:41

Mit den Sätzen «Dem Schiff allzeit gute Fahrt und immer eine Handbreit Wasser unter dem Kiel. Ich taufe es auf den neuen Namen Thurgau Silence» und dem traditionellen Flaschenwurf ist das neuste Mitglied der Thurgau-Travel-Flotte in den Dienst genommen worden. Kurz darauf heisst es im Basler Hafen St. Johann «Leinen los». Die Passagiere, die bereits ihre Kabinen bezogen haben, erkunden das Schiff oder halten vom Sonnendeck Ausschau. Insgesamt 97 komfortabel eingerichtete Kabinen bietet das Schiff, das sich nun langsam vom Ufer löst und auf dem träge fliessenden Rhein dahingleitet. Praktisch vibrationsfrei ist die Fahrt auf dem «MS Thurgau Silence», deren Maschinen- und Passagierteil getrennt sind.

Ausflüge nach Speyer und Heidelberg

Gemächlich geht es am Dreiländereck Schweiz, Deutschland und Frankreich vorbei. Nach ungefähr vier Kilometern verlässt das Schiff den Rhein, der hier die deutsch-französische Grenze bildet, und biegt in den ungefähr 52 Kilometer langen Rhein-Seitenkanal «Grand Canal d’Alsace», der auf französischem Gebiet verläuft. Bevor das Schiff wieder den Rhein erreichen wird, warten mehrere Schleusen, denn auf diesem Teilstück sind flussabwärts 55 Höhenmeter zu überwinden. Fast unheimlich mutet es an, wenn sich das Schiff in die Tiefe senkt und die Wände der Schleuse zum Berühren nah sind. Interessant wird es, wenn sich das Schleusentor langsam öffnet und den Blick auf den dahinter liegenden Flussabschnitt freigibt.

Zurück auf dem Rhein geht es in ruhiger Fahrt vorbei an Strassburg, später durch die industriellen Ballungsräume Karlsruhe, Mannheim und Ludwigshafen. Unerwartet tauchen die mächtigen Umrisse des Kaiserdoms zu Speyer über den Baumwipfeln auf. Kurze Zeit später legt das Schiff in Speyer an. Die Schiffspassagiere haben die Möglichkeit, die Stadt auf eigene Faust zu erkunden. Nach einem kurzen Spaziergang durch den Park gelangt man in Speyers Altstadt. Der berühmte Kaiserdom, gebaut aus dem typischen rötlichen Sandstein, zählt zum Unesco-Weltkulturerbe. Ganz in der Nähe befinden sich das Rathaus, das jüdische Viertel und das sehenswerte technische Museum.

Am Nachmittag bringt der Bus die Gäste nach Heidelberg, in eine der schönsten Städte Deutschlands. Mächtig thront die Schlossruine über der Altstadt. Das harmonische Ensemble mit Ruine, Altstadt und Fluss inmitten der Berge hatte bereits Dichter und Maler der Romantik inspiriert und fasziniert auch heute Millionen von Besucherinnen und Besuchern. Von der grössten Ruine Europas geniesst man einen herrlichen Blick auf die Dächer der Altstadt und auf den Neckar mit der historischen Brücke. Eine steile Gasse führt von hier oben direkt in die Altstadt und in die längste Fussgängerzone Deutschlands, die zum Flanieren einlädt.

Um rechtzeitig die Schleusen zu passieren und einen Stau zu vermeiden, fährt das Schiff nachts in den Main Richtung Frankfurt ein. Während des Frühstücks taucht die imposante Skyline der Finanzmetropole Frankfurt mit ihren Wolkenkratzern auf. In flotter Fahrt geht es unter der Friedensbrücke hindurch. Die Anlegestelle für das Flusskreuzfahrtschiff liegt kurz vor der Fussgängerbrücke «Eiserner Steg», die 1868 erbaut wurde und den Römerberg in der Altstadt mit dem Stadtteil Sachsenhausen verbindet. Am Geländer hängen unzählige Liebesschlösser.

Der heutige Dom ist zwar nie eine Kathedrale gewesen, trotzdem fanden hier während des Heiligen Römischen Reiches zehn Kaiserkrönungen statt. Ein Bummel über den Römerberg am Dom vorbei durch die Gassen zur Pauluskirche, wo 1848 die erste Deutsche Nationalversammlung stattfand, lohnt sich.

Esther Wyss

Dieser Bericht entstand im Rahmen der Jungfernfahrt des MS Thurgau Silence, zu der Thurgau Travel eingeladen hatte. www.thurgautravel.ch


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