Phase für Amortisation nutzen

ZINSEN ⋅ Die Zinsen sind nach wie vor im Keller, die Nachfrage nach Immobilien bleibt stabil. Experte Alex Müller empfiehlt, langfristig zu planen beim Kauf einer Immobilie.

Interview: Andreas Faessler
andreas.faessler@zugerzeitung.ch

Nach wie vor sind die Zinsen unverändert tief wie vor einem Jahr. Zeichnet sich noch immer keine Kehrtwende ab in absehbarer Zeit? Alex Müller, wie ist Ihre persönliche Prognose?

In den nächsten Quartalen dürften die Zinsen in der Schweiz nicht stark steigen. Solange die Europäische Zentralbank weiterhin auf Negativzinsen setzt und die geldpolitischen Lockerungsmassnahmen Bestand haben, ist auch die Schweizerische Nationalbank gefangen.

Die Situation ist also im Vergleich zum Vorjahr nahezu unverändert, richtig?

Nicht ganz. Insgesamt sehen wir global eine Wachstumsbeschleunigung, mit der Normalisierung der Inflationsraten sind auch die Kapitalmarktzinsen in den USA gestiegen. Aber auch Europa macht Fortschritte, eine Abkehr von Negativzinsen ist mittelfristig also nicht unrealistisch. Einer solchen glo­balen Aufwärtsbewegung bei den Zinsen könnte sich auch die Schweiz nicht entziehen.

«Eine Abkehr von Negativzinsen ist mittelfristig nicht unrealistisch.»

Alex Müller, Anlagechef Zuger Kantonalbank

Wie schlägt sich dieser dauerhaft tiefe Zinssatz im Immobilienmarkt nieder? Hat sich im Laufe des vergangenen Jahres eine Tendenz gezeigt?

Renditeobjekte haben hohe Bewertungen erreicht, bieten aber als ­Anlage stabile Cashflows. Der Nachfragedruck hält somit an, Investoren drängen aufgrund von fehlenden Anlagealternativen immer noch mit Neubauten in den Immobilienmarkt. Im Mietwohnungsbau sind daher schweizweit Überkapazitäten absehbar, wobei der Kanton Zug davon nur schwach betroffen ist.

Warum ist dies so?

Der Kanton Zug ist und bleibt eine attraktive Wohn- und Arbeitsregion. Darum erwarten wir hier weiterhin eine solide Nachfrage nach Wohnraum. Dies bei gleichzeitig tieferer Anzahl der baubewilligten Wohnungen. Diese befinden sich rund 20 Prozent unter dem Fünfjahresdurchschnitt.

Und wie schätzen Sie beim Wohneigentum die Lage ein?

Hier scheint die Regulierung zu greifen. Die Dynamik der Preissteigerungen hat in den letzten Jahren abgenommen. Grundsätzlich ist die Entwicklung stabil, einzig im Hochpreissegment ist die Vermarktung anspruchsvoller.

Was empfehlen Sie Immobilienbesitzern derzeit? Und Personen, die eine Immobilie kaufen möchten?

Eine Immobilie zu erwerben, hängt sehr von vielen persönlichen Faktoren ab. Wichtig ist immer auch der langfristige Gedanke beim Kauf einer Immobilie, gerade im aktuell verlockenden Tiefzinsumfeld. Wer die niedrigen Zinsen mit langfris­tigen Hypotheken sichert, sollte diese Phase gleichzeitig für die Amortisation nutzen. So kann die Tragbarkeit auch im Alter gesichert werden.

Sollten Kunden ihre Hypotheken weiterhin staffeln, oder empfehlen Sie eine angepasste Strategie?

Dieser Entscheid ist grundsätzlich immer sehr individuell. Wir empfehlen unseren Kunden aber aufgrund der derzeitigen Situation, ihre Hypotheken grundsätzlich zu staffeln und auch längere Laufzeiten beizumischen.

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