Sturm auf die letzte IS-Bastion im Irak: Mossul-Offensive hat begonnen

IRAK ⋅ Im Schutze der Nacht haben die irakischen Sicherheitskräfte ihre lang erwartete Militäroffensive zur Rückeroberung der Metropole Mossul aus den Händen der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) begonnen. Es wird mit heftigen und langwierigen Kämpfen gerechnet.

Aktualisiert: 
17.10.2016, 09:00
17. Oktober 2016, 01:01

«Die Zeit des Siegs ist gekommen und die Operationen zur Befreiung von Mossul haben begonnen», verkündete Iraks Ministerpräsident Haider al-Abadi am frühen Montagmorgen in einer Ansprache im Staatssender. 2016 werde als das Jahr in die Geschichte eingehen, in dem der Terrorismus und der IS besiegt wurden.

Sollte die Millionenmetropole tatsächlich befreit werden, wäre der IS im Irak militärisch weitestgehend am Ende. Nachdem die Regierungstruppen die sunnitische Extremistengruppe aus Städten wie Ramadi, Falludscha und Tikrit vertrieben haben, ist Mossul die letzte grosse Stadt im Irak, die noch von ihr kontrolliert wird.

Al-Abadi versicherte, nur die Armee und die Polizei würden in die Stadt eindringen, nicht die umstrittenen schiitischen Milizen Hasched al-Schaabi.

Flugblätter abgeworfen

Kräfte der irakischen Armee und Polizei hatten in den vergangenen Wochen und Tagen im Umland von Mossul Stellung bezogen. Unterstützt werden sie bei der Offensive von kurdischen Peschmerga-Kämpfern. Auch lokale sunnitische Milizen sollen an dem Angriff beteiligt werden. Die von den USA geführte internationale Koalition fliegt Luftangriffe gegen den IS.

Vor dem Start der Offensive wurden Zehntausende Flugblätter über Mossul abgeworfen. Darin wurde die Bevölkerung gewarnt, dass der Vormarsch samt Luftangriffen kurz bevorstehe. Die Einwohner sollten sich von bekannten Häusern der radikal-islamischen Kämpfer fernhalten. Russlands Präsident Wladimir Putin sagte am Sonntag, er hoffe, dass die USA und ihre Verbündeten alles täten, um Opfer unter den Zivilisten zu vermeiden.

US-Stolz

US-Verteidigungsminister Ashton Carter erklärte nach Beginn der Offensive: «Die Vereinigten Staaten und der Rest des internationalen Bündnisses stehen bereit, um die irakischen Sicherheitskräfte, Peschmerga-Kämpfer und das irakische Volk in dem schwierigen Kampf zu unterstützen, der ihnen bevorsteht.» Ziel sei es, den IS dauerhaft zu besiegen und sowohl Mossul als auch den Rest des Iraks «vom Hass und der Brutalität» der Extremisten zu befreien.

Der US-Sonderbeauftragte für die IS-Bekämpfung, Brett McGurk, schickte via Twitter eine Solidaritätsadresse an die Verbündeten: «Wir sind stolz, bei dieser historischen Operation an Eurer Seite zu stehen», schrieb er in dem Kurznachrichtendienst.

Heftigen Widerstand erwartet

Die Dschihadisten hatten Mossul im Sommer 2014 in einer Blitzoffensive erobert, ohne dass die irakische Armee nennenswerten Widerstand leistete. Der Einsatz zur Rückeroberung der Millionenstadt wird die bisher grösste Militäroperation gegen die Dschihadisten im Irak.

Es wird mit heftigen und langwierigen Kämpfen gerechnet. In Mossul und im Umland sollen sich rund 4000 IS-Kämpfer aufhalten. Diese haben nach verschiedenen Berichten in der Stadt tiefe Gräben und ein Tunnelsystem ausgehoben, um sich zu verteidigen. Ausserdem ist damit zu rechnen, dass Strassen und Gebäude mit zahlreichen Sprengfallen versehen sind, was einen Vormarsch auf die Stadt erschweren könnte.

Drohende Flüchtlingswelle

Hilfsorganisationen bereiten bereits eilig neue Flüchtlingslager vor, da eine Fluchtwelle von bis zu einer Million Menschen droht. Der stellvertretende UNO-Generalsekretär Stephen O'Brien äusserte sich am Montag angesichts der bevorstehenden Operation «extrem besorgt über die Sicherheit der 1,5 Millionen Menschen in Mossul». Familien drohten zwischen die Fronten zu geraten, warnte O'Brien.

Sollte der Armee die Rückeroberung von Mossul gelingen, wäre dies ein gravierender Rückschlag für die IS-Miliz. Sie hatte immer damit geworben, anders als frühere Dschihadistengruppen einen eigenen Staat errichtet zu haben, in der sie den Muslimen ermöglichte, gemäss der Scharia zu leben. (sda/afp/dpa)


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