Armee meldet Vormarsch Richtung Mossul – Kampf um Christenstadt

IRAK ⋅ Zwei Tage nach dem Beginn der Offensive auf die IS-Hochburg Mossul kommt Iraks Armee langsam voran. Einheiten sollen den Ort Kani Harami 40 Kilometer südlich von Mossul und 18 Dörfer eingenommen haben.

19. Oktober 2016, 18:48

Ein irakischer Militärkommandant sagte dem kurdischen Sender Rudaw, seit dem Beginn der Militäroperation am Montag seien 18 Dörfer befreit worden.Offensichtlich kam es zugleich zu neuen Kämpfen in der früher vor allem von Christen bewohnten Stadt Karakosch, die die Armee am Vortag bereits für erobert erklärt hatte.

Kämpfe um ehemalige Christenstadt

Der Nachrichtensender Al-Dschasira meldete, das Militär sei wegen Scharfschützen zum Rückzug aus Karakosch gezwungen gewesen. Der Armeeoffizier sagte, das Militär durchkämme die Region. Nahe Karakosch gebe es Kämpfe.Karakosch war einst eine der grössten christlichen Städte im Irak. Die IS-Extremisten hatten den Ort vor mehr als zwei Jahren eingenommen, nachdem sich kurdische Peschmerga von dort zurückgezogen hatten.

Zehntausende Christen flohen damals, während die Dschihadisten in der Stadt die Kontrolle übernahmen. Sie besetzten Kirchen, nahmen Kreuze ab und verbrannten heilige Schriften. Nun haben sich die irakischen Streitkräfte zum Ziel gesetzt, auf dem Weg nach Mossul Karakosch dem IS zu entreissen.

Widerstandsnester und Autobomben

Derzeit werde ein Plan vorbereitet, um die Stadt komplett zu erobern und von Extremisten zu befreien, sagte der irakische Kommandand Rijad Taufik. «Es gibt noch Widerstandsnester und Kämpfe, sie setzen Autobomben ein - aber das wird ihnen nicht helfen.»

Irakische Sicherheitskräfte und kurdische Peschmerga hatten am Montag eine seit langem erwarteten Offensive begonnen, mit der Mossul aus der Gewalt der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) befreit werden soll. Sollte die Stadt befreit werden, wäre der IS im Irak militärisch weitgehend besiegt.

Der Kommandant der Militäroperation, Generaloberst Talib Schaghati, rief die Einwohner Mossuls auf, in ihren Häusern zu bleiben, damit sie nicht den Kämpfen ausgesetzt seien. In der Stadt sollen noch rund 1,5 Millionen Menschen leben. Hilfsorganisationen rechnen mit bis zu einer Million Flüchtlingen. Schaghati erklärte, Mossul werde in «Rekordzeit» erobert werden. Dem IS warf er vor, die Einwohner der Stadt als menschliche Schutzschilde zu missbrauchen.

Iran nicht militärisch beteiligt

Der Iran beteiligt sich nach offiziellen Angaben nicht militärisch an der Offensive. «Auf Wunsch der irakischen Regierung agieren wir in dem Land weiterhin nur als militärische Berater und sind daher in Mossul nicht direkt beteiligt», betonte der aussenpolitische Berater des obersten iranischen Führers, Ajatollah Ali Chamenei.

Vom Iran unterstützte schiitische Milizen hatten vor Beginn der Operation erklärt, sie würden sich an der Befreiung Mossuls beteiligen. Die Sunniten im Irak lehnen das jedoch ab, weil sie Racheakte und einen weiteren Machtzugewinn der Mehrheit der Schiiten befürchten. Mossul ist die grösste sunnitische Stadt des Landes.

sda


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