Brandstiftung in geplantem Flüchtlingsheim

DEUTSCHLAND ⋅ Nach dem Brand in einem geplanten Flüchtlingsheim im Bundesland Sachsen-Anhalt hat der deutsche Justizminister Heiko Maas die Bürger zu Zivilcourage aufgerufen. "Wenn Flüchtlingsheime brennen, ist das beschämend", sagte der Politiker.

04. April 2015, 14:59

"Wo immer Rechtsextreme Stimmung machen gegen Ausländer, müssen wir gemeinsam dagegen halten. Und deutlich machen: Menschen, die gerade alles verloren haben und sich hilfesuchend zu uns flüchten, sind bei uns willkommen", sagte Maas der "Welt am Sonntag" laut Vorabbericht.

Der deutsche Innenminister Thomas de Maizière fordert rasche Aufklärung. Er sagte am Samstag der Deutschen Presse-Agentur dpa: "Das ist eine abscheuliche Tat, die unverzüglich aufgeklärt werden muss. Die Täter gehören hinter Schloss und Riegel."

Und weiter sagt er: "Menschen, die Schutz in Deutschland suchen, müssen hier friedlich und sicher leben können. Unsere Sicherheitsbehörden sind fest entschlossen, das hierfür Notwendige zu tun."

Ermittler gehen von Brandstiftung aus

Der Brand brach nach Polizeiangaben in der Nacht zum Samstag in einem Mehrfamilienhaus aus, das für die Unterbringung von Asylbewerbern vorgesehen ist. Die Ermittler gehen davon aus, dass das Feuer vorsätzlich gelegt wurde. Politische Motive schliesst die Polizei nicht aus.

Da sich in dem Haus zum Tatzeitpunkt zwei deutsche Bewohner aufhielten, könne auch ein versuchtes Tötungsdelikt nicht ausgeschlossen werden, hiess es weiter.

Bislang sei bekannt, dass eine oder mehrere Personen in der Nacht auf Samstag in das Haus eingebrochen seien und dort das Feuer gelegt hätten. "Dabei wurde mit grosser Wahrscheinlichkeit auch Brandbeschleuniger verwendet."

Bewohner blieben unverletzt

Bei dem Brand gegen 2.00 Uhr in der Nacht zum Samstag wurden der gesamte Dachstuhl beschädigt sowie weitere Teile des Hauses in Mitleidenschaft gezogen, wie die Staatsanwaltschaft Halle und das Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt weiter mitteilten. Das Gebäude, in dem ab Mai 40 Asylbewerber untergebracht werden sollten, sei derzeit unbewohnbar.

Das deutsche Paar, das in dem sonst noch leer stehenden Haus wohnte, wurde von Nachbarn rechtzeitig gewarnt und konnte unverletzt seine Wohnung verlassen.

Wegen des mutmasslich ausländerfeindlichen Hintergrunds der Tat nahm auch der Polizeiliche Staatsschutz Ermittlungen auf. Das Landeskriminalamt und die Polizeidirektion Sachsen-Anhalt Süd bildeten eine gemeinsame Ermittlungsgruppe, um - wie es hiess - "mit Hochdruck" die Aufklärung der Tat voranzutreiben.

Rechtsextreme Proteste

Tröglitz ist in ganz Deutschland in den Schlagzeilen, seit der ehrenamtliche Bürgermeister Markus Nierth wegen rechtsextremer Anfeindungen seinen Rücktritt erklärt hatte.

Nierth war Anfang März zurückgetreten, weil eine genehmigte Anti-Asyl-Demonstration direkt vor seiner Haustür stattfinden sollte. Er fühlte sich von der Politik nicht ausreichend unterstützt und sah seine Familie nicht gut genug geschützt.

Die von der Rechtspartei NPD angeführten Proteste richteten sich gegen die geplante Unterbringung von 40 Flüchtlingen. Die ersten sollen Anfang Mai nach Tröglitz kommen.

Für Samstagnachmittag rief eine Tröglitzer Bürgerinitiative, die sich für die Aufnahme von Flüchtlingen einsetzt, zu einer Lichterkette in dem Ort mit rund 2700 Einwohnern auf. (sda/dpa)


Login


 

Anzeige: