EU trägt Mitschuld an Tropen-Abholzung

EU ⋅ Die Nachfrage in Europa ist einer der wichtigsten Treiber für illegale Abholzung in den Tropen. Zu diesem Ergebnis kommt die Brüsseler Umweltorganisation "Fern" in einer am Dienstag veröffentlichten Studie.

17. März 2015, 05:39

Demnach führte die Europäische Union 2012 Soja, Rindfleisch, Leder und Palmöl im geschätzten Wert von sechs Milliarden Euro ein, für deren Erzeugung unerlaubt Wald gerodet worden sei. Das entspricht dem Autor zufolge beinahe einem Viertel der weltweit gehandelten Menge.

In den zwölf Jahren nach der Jahrtausendwende sei dafür alle zwei Minuten eine Fläche von der Grösse eines Fussballfeldes abgeholzt worden. Deutschland gehöre mit den Niederlanden, Grossbritannien, Italien und Frankreich zu den Hauptimporteuren.

"Der EU-Verbrauch zerstört nicht nur die Umwelt und trägt zum Klimawandel bei", erklärte Studienautor Sam Lawson. "Da die Entwaldung illegal ist, befeuert sie auch Korruption und führt zu Einkommensverlusten, Gewalt und Menschenrechtsverletzungen." Kritiker würden bedroht, angegriffen und getötet.

Der Löwenanteil der Produkte aus illegalen Rodungen kommt nach Angaben des Berichts aus Brasilien, gefolgt von Indonesien. Mit einigem Abstand kommen die Herkunftsländer Malaysia, Paraguay, Argentinien und Uruguay.

Doch die Bedeutung anderer Lieferanten dürfte in der nahen Zukunft wachsen, prognostiziert der Autor. Er verweist auf weitere lateinamerikanische Staaten und einige afrikanische Länder sowie Papua Neuguinea, Kambodscha und Laos.

Entwaldung nicht mehr um des Holzes Willen

Die Umweltschützer verlangen von der EU entschiedeneres Vorgehen und einen umfassenden Aktionsplan. Zwar gibt es EU-Vorschriften für Holzimporte. So darf Holz aus unerlaubten Rodungen in Europa nicht in den Verkehr gebracht werden, Händler sind zu besonderer Sorgfalt verpflichtet. Doch inzwischen würden Bäume vor allem illegal gefällt, um Platz für Landwirtschaft zu schaffen, so Fern. Die EU müsse dies in Handelspartnerschaften mit betroffenen Ländern stärker berücksichtigen.

Hannah Mowat von Fern erklärte: "Die EU hat eine wichtige Gelegenheit die Entwaldung zu stoppen, wenn sie sich mit ihrem Handel und ihrem Verbrauch an Agrargütern befasst." (sda/dpa)


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