Ebola-geplagte Länder fordern Marshall-Plan

EBOLA-EPIDEMIE ⋅ "Wir sollten nicht glauben, dass das Schlimmste vorbei ist". Das hat die EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini am Dienstag zur Eröffnung einer internationalen Ebola-Konferenz in Brüssel vor mehr als 600 Delegierten gesagt.

03. März 2015, 17:39

An der von der Europäischen Union anberaumten Konferenz nahmen auch Vertreter der USA, Kubas, Chinas, der UNO und der Weltbank teil. Es sei das erste Mal seit Beginn der Epidemie vor rund einem Jahr, dass "alle Akteure" auf höchster Ebene zusammenkämen, sagte der zuständige EU-Kommissar Christos Stylianides.

Seit dem Höhepunkt der Epidemie im Herbst hat die Zahl der Neuansteckungen nach UNO-Angaben deutlich abgenommen. Wurden damals rund 900 Neu-Infektionen pro Woche gemeldet, sind es jetzt noch etwa 100 neu Fälle pro Woche. Rund 9700 Menschen starben laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) bislang an Ebola.

Die Präsidenten der von der Krankheit erschütterten Länder Westafrikas warnten in Brüssel allerdings vor Ermüdungserscheinungen im Kampf gegen das tödliche Virus.

"Unsere drei Länder beginnen, über die tödliche Krankheit zu triumphieren, die die Souveränität jedes unserer Länder bedroht hat", sagte Liberias Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf. Allerdings seien weitere Anstrengungen nötig, damit es irgendwann keine neuen Ansteckungen gebe.

Verheerende wirtschaftliche Auswirkungen

Die Präsidenten der drei westafrikanischen Länder Guinea, Liberia und Sierra Leone forderten eine internationale Wiederaufbauhilfe nach dem Vorbild des "Marshall-Plans". "Die Auswirkungen von Ebola auf unsere Wirtschaftssysteme gingen tief", deshalb brauche es "Strategien für eine wirtschaftliche Erholung", sagte Sirleaf.

Um die Wirtschaft der betroffenen Länder wieder anzukurbeln, seien beträchtliche Mittel nötig, "sogar ein Marshall-Plan", forderte Sirleaf in Anspielung auf das US-geführte Wiederaufbauprogramm nach dem Zweiten Weltkrieg, das Europa zugute kam.

Guineas Präsident Alpha Condé kündigte einen Regionalplan für den Wiederaufbau an, den die drei Staaten im nächsten Monat Weltbank und Internationalem Währungsfonds (IWF) vorstellen wollten. Laut dem Präsidenten von Sierra Leone, Ernest Bai Koroma, müssen vor allem die Gesundheits- und Bildungssysteme wieder aufgebaut werden.

Zwischenbilanz ohne neues Geld

Bei der Konferenz in Brüssel geht es um eine Zwischenbilanz im Kampf gegen Ebola und um eine Abstimmung über das weitere Vorgehen - auch bei der tatsächlichen Auszahlung in Aussicht gestellter Gelder. Die internationale Gemeinschaft hat nach Angaben der EU-Kommission bisher 4,9 Milliarden Dollar zugesagt. Davon seien ungefähr 2,4 Milliarden Dollar bereits ausgezahlt worden.

Neue Finanzzusagen wurden an der Konferenz in Brüssel nicht erwartet. Das Vorgehen gegen Ebola soll aber bei weiteren internationalen Zusammenkünften wie der Frühjahrstagung der Weltbank Mitte April Thema sein.

Am 20. und 21. Juli will die Afrikanische Union eine Konferenz zum Wiederaufbau in Äquatorialguinea organisieren, wie der Sozialkommissar der Regionalorganisation, Mustapha Sidiki Kaloko, ankündigte. Bei dem Treffen in der Hauptstadt Malabo soll es um Investitionen in Gesundheitssysteme und die Vorbereitung auf ähnliche Ausbrüche gehen. (sda/dpa/afp)


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