Erfolge für ukrainische Armee gemeldet

UKRAINE ⋅ In den Kämpfen mit Regierungstruppen geraten die prorussischen Separatisten in der Ostukraine immer stärker in die Defensive. Die Armee nahm am Donnerstag die Rebellen-Hochburg Donezk unter heftigen Beschuss.

14. August 2014, 21:09

Erstmals schlugen Granaten in unmittelbarer Nähe des Zentrums der Industriemetropole mit einst 900'000 Einwohnern ein. Das Pfeifen von Granaten und kurz darauf laute Explosionen waren zu hören. Mindestens ein Bewohner starb beim Beschuss.

Verängstigte Menschen versuchten, Schutzräume zu erreichen. Bereits zu Wochenbeginn hatte das Militär erklärt, es bereite sich auf die letzte Phase der Einnahme der Stadt vor.

Lugansk belagert

Die zweite Rebellenhochburg Lugansk ist nach Angaben der ukrainischen Armee vollständig umstellt. Die Regierungstruppen hätten das Dorf Nowoswitliwka eingenommen und damit die letzte Verbindungsstrasse zum russischen Grenzübergang von Iswaryn abgeschnitten, sagte der Armeesprecher Andrej Lyssenko am Donnerstag.

Die Regierungstruppen versuchen seit Wochen, die Rebellenhochburg zu erobern, doch leisten die prorussischen Separatisten erbitterten Widerstand. Die humanitäre Lage in der Industriestadt ist äussert schwierig, da es seit zwei Wochen keinen Strom und kein Wasser mehr gibt und Lebensmittel und Treibstoff knapp sind.

Hilfskonvoi in Rostow

Moskau hatte deshalb einen Hilfskonvoi mit knapp 300 Lastwagen Richtung Lugansk entsandt, doch gibt es seit Tagen Streit mit Kiew, ob und wie er in die Ukraine gelassen wird. Am Donnerstag befanden sich die Lastwagen in der südrussischen Grenzregion Rostow und näherten sich der ukrainischen Grenze.

Es blieb aber weiter unklar, ob die Ukrainer die Lastwagen über die Grenze lassen würden. Ein ukrainischer Militärsprecher bekräftigte, Bedingung sei, dass die Lastwagen von eigenen Sicherheitskräften und Vertretern der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) überprüft würden.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) soll die Verteilung der Hilfsgüter an die Bevölkerung koordinieren. Die Organisation teilte am Abend auf dem Kurznachrichtendienst Twitter mit, IKRK-Mitarbeiter hätten mit dem Konvoi einen ersten Kontakt gehabt, es gebe aber noch viele praktische Details zu klären.

Hilfe aus Kiew

Inzwischen trafen die ersten ukrainischen Lastwagen mit Hilfe für die notleidenden Menschen an einem Sammelpunkt nördlich von Lugansk ein. 26 Fahrzeuge aus Charkow erreichten am Donnerstagabend die Stadt Starobelsk, wie der Sicherheitsrat in Kiew mitteilte.

Mitarbeiter des Roten Kreuzes sortierten und sichteten die Waren, darunter Lebensmittel, Medikamente und Hygieneartikel. Insgesamt hat Kiew 75 Lastwagen mit rund 800 Tonnen Hilfsgütern ins Krisengebiet geschickt.

Wieder Rücktritte bei den Separatisten

Auf Seiten der pro-russischen Rebellen traten am Donnerstag erneut zwei Führungspersonen zurück. Am Abend teilte die Volksrepublik Donezk auf ihrer Internet-Seite mit, der 43-jährige Igor Strelkow ziehe sich als "Verteidigungsminister" zurück. Sein Nachfolger solle Wladimir Kononow werden.

Zuvor hatte bereits der Rebellenanführer von Lugansk, Waleri Bolotow, die Führung abgegeben. Er könne wegen einer Verletzung nicht mehr weitermachen, erklärte Bolotow dem staatlichen russischen Sender Rossija 24 zufolge.

Nachfolger sei der bisherige Verteidigungsminister der sogenannten Luhansker Volksrepublik, Igor Plotnizki. Erst vor einer Woche war der Anführer der von den Rebellen ausgerufenen Donezker Volksrepublik, Alexander Borodai, zurückgetreten.

Putin auf der Krim

Russlands Präsident Wladimir Putin prangerte bei einem Besuch auf der abtrünnigen Schwarzmeer-Insel Krim das "blutige Chaos" und den "mörderischen Bruderkrieg" in der Ostukraine an. Die Lage in der Ukraine sei eine humanitäre Katastrophe. "Russland wird alles in seiner Macht stehende tun, um die Kämpfe so schnell wie möglich zu beenden", betonte Putin vor Politikern.

Der Westen beschuldigt Russland, die prorussischen Separatisten mit Waffen zu unterstützen und den Konflikt damit zu schüren. Die EU und die USA haben daher Sanktionen gegen Russland verhängt. (sda/reu/afp/dpa)


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