Grossfahndung läuft auf Hochtouren

ANGRIFF AUF CHARLIE HEBDO ⋅ Stille Trauer und hektische Fahndung: Während die Franzosen eine Schweigeminute für die zwölf Opfer des Anschlags auf die Satire-Zeitung "Charlie Hebdo" einlegen, sucht die Polizei einen Tag nach dem mutmasslich islamistischen Angriff nach den flüchtigen Attentätern.

08. Januar 2015, 18:09

Die Fahndung nach den Tätern hält ganz Frankreich in Atem. Die beiden Hauptverdächtigen wurden nach Angaben von Ermittlern am Donnerstag in Nordfrankreich gesichtet, in dem Gebiet zog die Polizei Eliteeinheiten zusammen.

In der Gegend von Villers-Côtterets im Département Aisne waren am Nachmittag Beamte der Anti-Terror-Polizeieinheit RAID und der Gendarmerie-Sondereinheit GIGN im Einsatz. In der Region rund 80 Kilometer nordöstlich von Paris sei ein Auto entdeckt worden, das die beiden Verdächtigen als Fluchtwagen benutzt hätten.

Zuvor hatte es von Seiten der Ermittler geheissen, der 32-jährige Chérif Kouachi und sein 34-jähriger Bruder Said seien in einem grauen Renault Clio gesichtet worden. Der Betreiber einer Tankstelle in der Nähe von Villers-Côtterets habe die beiden "eindeutig erkannt". "Die beiden Männer sind vermummt, mit Kalaschnikow und anscheinend mit Raketen-Werfern" ausgerüstet, hiess es weiter.

Noch weitere Anschläge geplant?

In einem anderen kurz nach dem Anschlag in Paris zurückgelassenen Auto wurden nach Angaben der Ermittler zwei dschihadistische Flaggen und ein Dutzend Molotow-Cocktails gefunden. Der Fund zeige die islamistische Gesinnung der Täter und deute daraufhin, dass sie womöglich weitere Anschläge geplant hätten, hiess es.

Laut Premierminister Manuel Valls sind die beiden Hauptverdächtigen polizeibekannt. Chérif Kouachi war 2008 wegen Unterstützung des Terrornetzwerks Al-Kaida im Irak verurteilt worden. Von der dreijährigen Haftstrafe wurden anderthalb Jahre auf Bewährung ausgesetzt. Die Ermittler waren den Brüdern nach dem Anschlag auf die Spur gekommen, weil ein Ausweis von Said in einem zurückgelassenen Auto entdeckt wurde.

Ein möglicher Komplize, der 18-jährige Hamyd Mourad, stellte sich am späten Mittwochabend der Polizei. Es gab aber Zeugenaussagen, wonach er sich zum Tatzeitpunkt in seiner Schule befand. Die Polizei nahm am Morgen sieben Verdächtige aus dem Umfeld der mutmasslichen Täter in Gewahrsam.

Staatstrauer

In Frankreich galt am Donnerstag offizielle Staatstrauer. Mit einer Schweigeminute wurde landesweit der Opfer des Anschlags gedacht - unter anderem in Behörden, Unternehmen und Schulen. Tausende hielten Plakate mit dem Schriftzug "Je suis Charlie" (Ich bin Charlie) hoch. Die Glocken der Kirche Notre-Dame erschallten in Paris.

Staatspräsident François Hollande forderte seine Landsleute auf, in dieser schweren Zeit zusammenzustehen. Zudem hielt er eine Reihe von Krisentreffen ab, unter anderem mit seinem konservativen Rivalen, Ex-Präsident Nicolas Sarkozy.

Die Belegschaft von "Charlie Hebdo" will indes nicht aufgeben. "Wir werden weitermachen", sagte Patrick Pelloux nach einem Treffen mit anderen Redaktionsmitgliedern . Der Anwalt des Wochenblatts kündigte für kommende Woche eine Rekordauflage von einer Million Exemplaren an.

Polizistin erschossen

Für neue Terrorangst sorgte eine Schiesserei im Süden von Paris am Donnerstagmorgen, bei der ein Unbekannter eine Polizistin tötete und einen Polizisten verletzte. Es gab aber keine Hinweise darauf, dass die Taten zusammenhängen. Die Anti-Terrorismus-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft übernahm die Ermittlungen.

In mehreren Gemeinden Frankreichs gab es Attacken auf muslimische Einrichtungen. Verletzt wurde bei den Angriffen jedoch niemand.

In der Schweiz machten Sicherheitsorgane keine erhöhte Terrorgefahr aus. Einige Schweizer Medienhäuser erhöhten aber ihre Sicherheitsvorkehrungen. Die Muslimen-Verbände distanzierten sich vom Attentat auf "Charlie Hebdo", Zeitungskommentatoren verurteilten den Anschlag scharf als Angriff auf die Freiheit.

(sda/afp/dpa)


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