Hacker gelangen an Obamas Terminkalender

USA ⋅ Russischen Hackern ist es nach CNN-Informationen im vergangenen Herbst gelungen, in "sensible Bereiche" des Computernetzwerks des Weissen Hauses einzudringen. Unter anderem hatten sie Zugang zur Terminorganisation von Präsident Barack Obama.

08. April 2015, 02:59

Russischen Hackern ist es nach CNN-Informationen im vergangenen Herbst gelungen, in «sensible Bereiche» des Computernetzwerks des Weissen Hauses einzudringen. Der Sender bezog sich auf Angaben von US-Regierungsbeamten und sprach am Dienstag von einem ernsten Vorgang.

Zwar seien keine geheimen Systeme betroffen gewesen, aber die Hacker hätten immerhin Zugang zu Informationen wie nicht-öffentlichen Details zum Terminplan von Präsident Barack Obama gehabt. Derartiges sei für ausländische Geheimdienste wertvoll, zitierte CNN die Regierungsbeamten.

CNN zufolge drangen die Hacker zunächst in das Computersystem des US-Aussenministeriums ein und benutzten ein E-Mail-Konto als Ausgangspunkt für ihre Cyberattacke gegen das Weisse Haus.

Ermittlern zufolge wiesen unter anderem bestimmte Codes darauf hin, dass die Hacker für die russische Regierung arbeiteten. Allerdings können solche Hinweise im Programmcode auch gefälscht werden, um eine falsche Fährte zu legen.

Russland weist Vorwürfe zurück

Russland wies die Berichte jedenfalls entschieden zurück. «Das ist inzwischen schon zum Sport geworden: für alles wird Russland verantwortlich gemacht», kritisierte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Mittwoch in Moskau.

Russland sei an einer Zusammenarbeit mit den USA bei der Lösung internationaler Krisen und Probleme interessiert. Eine gegenseitige «Dämonisierung» lehne Moskau ab. Täglich gebe es im Übrigen hunderte, manchmal sogar tausende Cyberangriffe auf den Kreml und die Webseite von Präsident Wladimir Putin, sagte der Kreml-Sprecher Agenturen zufolge.

Das Weisse Haus hatte vergangenen Oktober von «verdächtigen Aktivitäten» in seinem nicht-geheimen Netzwerk berichtet. Danach war das System in Abständen für Sicherheitsvorkehrungen heruntergefahren worden. .

"Spekulativ"

Es habe "vergangenes Jahr ein Ereignis" gegeben, sagte der stellvertretende Nationale Sicherheitsberater Ben Rhodes zu dem Medienbericht. Die US-Regierung verfüge aber über "geheime Systeme, die sicher sind". Zum Ursprung der Cyber-Attacke wollte Rhodes sich nicht äussern.

Der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats, Mark Stroh, sagte der Nachrichtenagentur AFP, der Bericht sei "spekulativ". Die Cyber-Attacke richtete sich demnach gegen das nicht als geheim eingestufte Computernetzwerk des geschäftsführenden Büros von US-Präsident Barack Obama.

Zu dieser Abteilung gehören Obamas engste Mitarbeiter, darunter die Mitglieder des Nationalen Sicherheitsrats und seines wirtschaftlichen Beraterstabs, sowie die Mitarbeiter von Vize-Präsident Joe Biden. Das von der Abteilung genutzte Netzwerk ist zwar kein Geheimnetzwerk, es werden darüber jedoch sensible Informationen wie etwa über die Aufenthaltsorte des Präsidenten ausgetauscht.

"Jede derartige Aktivität ist etwas, was wir sehr ernst nehmen", sagte Stroh zu der Cyber-Attacke. Das Weisse Haus habe "Sofortmassnahmen zur Analyse und Entschärfung" des Angriffs ergriffen.

Obama hatte in der vergangenen Woche eine Exekutivanordnung unterzeichnet, die es ermöglicht, auf Cyberangriffe auch mit Wirtschaftssanktionen gegen die Hacker zu reagieren. (sda/dpa)


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