Handelsvertreter schüttelt Attentäter die Hand

PARIS ⋅ Während die gesamte französische Polizei am Freitag nach den beiden mutmasslichen «Charlie-Hebdo»-Attentätern fahndete, hat ein Handelsvertreter einem von ihnen die Hand geschüttelt.

09. Januar 2015, 14:35

«Ich habe einen der Terroristen getroffen und ihm die Hand gegeben», sagte der Mann, der als Namen lediglich Didier angab, dem Radiosender France Info.

Die unglaubliche Geschichte ereignete sich nach seiner Darstellung folgendermassen: Er hatte am Freitagmorgen einen Termin mit einem Kunden, der bei der Druckerei CTD im Industriegebiet Dammartin-en-Goële 40 Kilometer nordöstlich von Paris angestellt ist. «Als ich eintraf, kam mein Kunde zusammen mit einem Bewaffneten heraus, der sich als Polizist ausgab», sagte Didier.

«Mein Kunde sagte, ich solle wieder gehen. Auch der Mann, der sich als Polizist ausgab, sagte: 'Gehen Sie. Wir werden sowieso keine Zivilisten töten.' Das hat mich sehr stutzig gemacht und ich hab dann beschlossen, die Polizei zu rufen. Ich denke, das war einer der Terroristen.»

Vorher verabschiedete sich Didier allerdings höflich von den beiden. «Ich habe meinem Kunden die Hand gegeben, und dem einen der Terroristen.» Erkannt habe er diesen aber nicht. «Es hätte auch ein Polizist sein können, wenn er nicht gesagt hätte, dass er keine Zivilisten töten werde. Er war schwer bewaffnet wie ein Elitepolizist.»

«Sehr viel Glück gehabt»

Wenige Minuten später wurde bekannt, dass die beiden Brüder Chérif und Said Kouachi in der Druckerei eine Geisel genommen und sich verschanzt haben. Sie werden verdächtigt, am Mittwoch die Redaktion des Satire-Magazins «Charlie Hebdo» in Paris angegriffen und insgesamt zwölf Menschen getötet zu haben. Polizisten und Anti-Terror-Spezialisten umstellten die mutmasslichen Attentäter in dem Gebäude.

Er habe zunächst nicht gemerkt, dass es sich um eine Geiselnahme gehandelt habe, sagte Didier France Info. «Ich habe nur gemerkt, dass irgendetwas nicht stimmt. Ich denke, ich werde jetzt meine Kollegen treffen und dann Lotto spielen. Ich habe diesen Morgen sehr viel Glück gehabt.»

Zwei Tage nach dem Attentat auf die Redaktion des französischen Satiremagazins «Charlie Hebdo» (7. Januar 2015) hat die Polizei ein Versteck der Attentäter gestürmt und die beiden Männer getötet. Zeitgleich beendeten Spezialeinheiten die Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt im Osten von Paris. Der Täter wurde getötet, vier Geiseln kamen ums Leben.

  • Gathering, to commemorate the 17 victims of the Paris terror attacks
  • Gathering, to commemorate the 17 victims of the Paris terror attacks
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Auf der ganzen Welt gingen Leute unter dem Motto "Je suis Charlie" auf die Strasse und brachten damit ihre Trauer über das Attentat von Paris zum Ausdruck.

sda

 


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