IS-Kämpfer zerstören wertvolle Kulturgüter

IS-VORMARSCH - IRAK ⋅ Die IS-Terrormiliz hat im Norden des Iraks einzigartige Kulturgüter aus altorientalischer Zeit zerstört. Dies belegen sowohl Filmaufnahmen der Terrormiliz wie auch Quellen vor Ort.

26. Februar 2015, 21:29

Das assyrische Ninive war vor rund 2600 Jahren ein Zentrum der antiken Welt. Statuen aus der Metropole hatten die Jahrtausende überlebt. Viele von ihnen dürften jetzt für immer verloren sein.

Ein Internetvideo der Terrormiliz zeigt, wie IS-Anhänger laut Fachleuten im Museum der Stadt Mossul und an der Grabungsstätte Ninive im Norden Iraks bedeutende Bildwerke aus der Antike zertrümmern. Auch Quellen vor Ort berichteten von der Zerstörung. Experten bestätigten der Deutschen Presse-Agentur (dpa), dass es sich bei vielen der zerstörten Stücke um Originale handelt.

Die mehr als 2600 Jahre alte sogenannte Türhüterfigur sei eine "Ikone der altorientalischen Bildkunst", sagte Markus Hilgert, Direktor des Vorderasiatischen Museums in Berlin, am Donnerstag. "Das ist so, als würde jemand die Sphinx in Ägypten zerstören." Der Verlust sei eine Katastrophe.

Die sunnitischen Extremisten zerstörten die Figur mit einem Presslufthammer. Die Statue stellt ein Mischwesen mit menschlichem Gesicht dar, das die Assyrer als Schutzgottheit verehrten. Sie ist laut Experten Teil des assyrischen Nergal-Tores aus dem siebten Jahrhundert vor Christus. Es gehörte zur Befestigung der Stadt Ninive, des Zentrums des assyrischen Reiches.

Restaurierung kaum möglich

Unter den zerstörten Kulturgütern sind auch zahlreiche weitere assyrische Statuen, teilweise grösser als ein Mensch. Der etwa fünf Minuten lange Film zeigt, wie IS-Terroristen im Museum in der IS-Hochburg Mossul mit grossen Hämmern auf die Stücke einschlagen oder sie umstürzen, so dass sie zu Bruch gehen. Zu sehen sind auch Reliefs. Ob sie ebenfalls zerstört wurden, ist unklar.

"Das waren sehr wichtige historische Stücke", sagte Peter A. Miglus, Professor für Vorderasiatische Archäologie an der Universität Heidelberg. Angesichts der massiven Zerstörung werde es kaum möglich sein, sie zu restaurieren.

Der irakische Antikenminister Adil Fahd Scharschab sprach von einem der grössten Verbrechen der Gegenwart. Die Tat der Terrormiliz bedeute nicht nur für den Irak einen riesigen Verlust, sondern für die gesamte Menschheit, sagte er am Donnerstag irakischen Medien zufolge.

Erinnerung an Buddha-Statuen

In dem Video erklärt ein IS-Anhänger, die Statuen hätten Assyrern und anderen Völkern der Vielgötterei gedient. Auch der Prophet Mohammed habe alle Götzenfiguren zerstört, als er nach Mekka gekommen sei. Der Islamische Staat (IS) beruft sich dabei auf eine Interpretation des Islams, die die bildliche Darstellung von Menschen und Gott verbietet.

Der Fall erinnert an die Buddha-Statuen von Bamian, die den Taliban in Afghanistan zum Opfer fielen. Am kommenden Sonntag vor genau 14 Jahren begann das damals in Kabul herrschende radikalislamische Regime damit, die beiden 38 und 55 Meter hohen Statuen aus dem 6. Jahrhundert zerstören zu lassen.

Auch weltweite Proteste konnten die Taliban nicht stoppen. Die UNESCO erklärte die Überreste der Buddhas 2003 zum Weltkulturerbe. Die Statuen wurden nicht wiederaufgebaut. (sda/dpa)


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