Iran revidiert Vorwurf zu Botschaftsangriff

SAUDI-ARABIEN - IRAN ⋅ Der Iran hat Saudi-Arabien am Donnerstag vorgeworfen, im Jemen seine Botschaft mit Kampfflugzeugen angegriffen zu haben. Am Abend krebste Teheran allerdings zurück und sprach nur mehr von Bombardierungen nahe der Botschaft.

07. Januar 2016, 16:17

Eine Rakete sei "in der Nähe der iranischen Botschaft" in Jemens Hauptstadt Sanaa eingeschlagen, sagte Irans Vizeaussenminister Hussein Amirabdullahian. Beim Luftangriff in der Nacht zum Donnerstag soll ein iranischer Wächter schwer verletzt worden sein.

Das Aussenministerium in Teheran hatte zunächst von einem "bewussten und vorsätzlichen Angriff Saudi-Arabiens" auf seine Botschaft gesprochen und diesen scharf verurteilt. Der Iran wolle bei den Vereinten Nationen einen umfassenden Bericht über den Vorfall einreichen und den Vorfall juristisch verfolgen lassen, sagte Amirabdullahian nach Angaben der Nachrichtenagentur ISNA.

Auch Anwohner berichteten, sie hätten keine Beschädigung des Gebäudes im Stadtteil Hadda ausgemacht. Bei einem Luftangriff sei ein öffentlicher Platz getroffen worden, der 700 Meter von dem Gebäude entfernt liege. Einige Steine und Granatsplitter seien auf dem Hof der Botschaft gelandet, berichteten Augenzeugen.

Mehrere massive Luftangriffe

Der Sprecher des von Saudi-Arabien geführten Bündnisses, Brigadegeneral Ahmed Asseri, bestätigte mehrere Luftangriffe in Sanaa. Sie hätten Raketenwerfern der Huthi gegolten. Die Rebellen hätten zivile Gebäude für ihre Kampfeinsätze genutzt, darunter mehrere geräumte Botschaften.

Im Jemen liefern sich die beiden Regionalmächte, die auch im Syrien-Konflikt konkurrieren, einen Stellvertreterkrieg. Die von Saudi-Arabien geführte Allianz sunnitischer Staaten, die gegen die vom Iran unterstützten schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen kämpft, kündigte eine Prüfung der Vorwürfe an.

Auf ihrer Internetseite kündigte die Regierung in Teheran an, dass die Einfuhr oder der Transit sämtlicher saudiarabischer Waren in beziehungsweise durch den Iran untersagt sei. Die Regierung bekräftigte überdies ein Verbot für Pilgerreisen nach Mekka auf unbefristete Zeit. An der muslimischen Pilgerfahrt nehmen gewöhnlich hunderttausende iranische Gläubige teil.

Neue Eskalationsstufe

Der Konflikt zwischen den beiden Regionalmächten war am Samstag durch die Hinrichtung eines schiitischen Geistlichen in Saudi-Arabien aufgebrochen. Aus Protest gegen die Hinrichtung von Scheich Nimr Baker al-Nimr hatten aufgebrachte Menschen die saudiarabische Botschaft in Teheran am Wochenende angegriffen und angezündet.

Zwar nahmen die iranischen Behörden mehr als 40 Menschen fest, aber Riad reagierte auf den Vorfall mit dem Abbruch der diplomatischen Beziehungen zum Iran. Die ebenfalls sunnitisch geprägten Staaten Bahrain, Sudan und Dschibuti folgten dem Schritt des erzkonservativen Königreichs Saudi-Arabien.

Die Vereinigten Arabischen Emirate beschlossen, ihre diplomatischen Beziehungen zum Iran zu verringern. Kuwait und Katar riefen ihre Botschafter aus Teheran ab, Jordanien bestellte den iranischen Botschafter in Amman ein.

Am Donnerstag brach auch Somalia seine diplomatischen Beziehungen zu Teheran ab. Das Aussenministerium erklärte, alle iranischen Diplomaten hätten 72 Stunden Zeit, um Somalia zu verlassen. (sda/reu/afp)


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