Iran schickt Kriegsschiffe an Jemens Küste

JEMEN ⋅ Der Krieg im Jemen ist auch ein Stellvertreter-Konflikt zwischen Saudi-Arabien und dem Iran. Teheran erhöhte denn am Mittwoch auch den Einsatz und entsandte einen Flottenverband Richtung Jemen.

08. April 2015, 18:49

Ein iranisches Versorgungs- und ein Kriegsschiff liefen in der südiranischen Hafenstadt Bandar Abbas in Richtung Horn von Afrika aus - und damit auch in die Nähe der umkämpften südjemenitischen Hafenstadt Aden.

Mit der Mission solle allerdings nur die iranische Handelsmarine vor Piraterie geschützt werden, sagte Marinekommandant Habibullah Sadschari laut der Nachrichtenagentur IRNA.

Kampf um Vorherrschaft in der Region

Im Jemen kämpfen die schiitischen Huthi-Rebellen gegen Anhänger des aus dem Land geflohenen Präsidenten Abed Rabbo Mansur Hadi. Das benachbarte sunnitische Saudi-Arabien, das mit dem schiitischen Iran um die Vorherrschaft in der Region wetteifert, unterstützt Hadi, dem es vorläufig Asyl gewährt hat. Seit zwei Wochen bombardiert eine von Saudi-Arabien geführte regionale Allianz Stellungen und Waffenlager der Huthis.

Riad wirft dem Iran vor, die Huthis zu unterstützen. Teheran verurteilte wiederum die Luftangriffe der von Saudi-Arabien angeführten Koalition und forderte ein sofortiges Ende der militärischen Operationen.

Washington unterstützt Riad

Die USA unterstützen die saudiarabische Allianz mit Waffen und Geheimdienst-Erkenntnissen. Eine Sprecherin des US-Aussenministeriums wollte die Äusserungen von US-Vizeaussenminister Antony Blinken, wonach die USA ihre Waffenlieferungen an Riad beschleunigen würden, in dieser Form aber nicht bestätigen.

Blinken war in die saudiarabische Hauptstadt gereist und hatte dabei auch Hadi getroffen. Er sagte, die USA würden ihre Waffenlieferungen an das Königreich beschleunigen. Zudem hätten sie eine gemeinsame Koordinationsstelle im Operationszentrum der saudiarabischen Streitkräfte eingerichtet, die auch mit mehr Geheimdienstinformationen versorgt würden.

USA besorgt wegen Dschihadisten

US-Verteidigungsminister Ashton Carter äusserte sich derweil besorgt, dass das Terrornetzwerk Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (Aqap) das aktuelle Chaos im Jemen nutzt, um sein Einflussgebiet auszuweiten.

Carter kündigte an, dass die USA weiter gegen die Bedrohung durch die Extremisten vorgehen würden, auch wenn dies mit einer funktionierenden Regierung natürlich einfacher sei. Die USA fliegen seit Jahren Drohnenangriffe auf Aqap-Mitglieder. Der Gruppe gelang es angesichts der aktuellen Kämpfe, das Armeehauptquartier und den Hafen von Al-Mukalla zu erobern.

Hilfsorganisation warnt vor humanitärer Katastrophe

Die Hilfsorganisation Oxfam warnte indes vor einer humanitären Katastrophe im Jemen. "Die Lage wird von Tag zu Tag schlechter", sagte der Länderverantwortliche der Organisation, Grant Pritchard, am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Rund 10 Millionen der etwa 24 Millionen Einwohner des Landes hätten derzeit nicht genug zu essen.

Das Land müsse mehr als 80 Prozent seiner Lebensmittel importieren, erklärte Pritchard weiter. Da aber alle Flug- und Seehäfen geschlossen seien, kämen seit Tagen keine Güter mehr ins Land. Auch die Versorgung mit Wasser und Strom verschlechtere sich täglich. Zudem fehlten medizinische Güter. (sda/afp/dpa)


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