Irans Diplomaten müssen Riad verlassen

SAUDI-ARABIEN ⋅ Nach der Hinrichtung eines prominenten schiitischen Geistlichen und Regimekritikers in Saudi-Arabien eskaliert der Streit zwischen dem Königreich und dem Iran. Saudi-Arabien erklärte am Sonntag, die Beziehungen zum Iran würden abgebrochen.

03. Januar 2016, 05:54

Anlass sei die Erstürmung der saudiarabischen Botschaft in Teheran am Vortag. Die diplomatische Vertretung des Iran und iranische Einrichtungen seien aufgefordert worden, Saudi-Arabien innerhalb von 48 Stunden zu verlassen, teilte Aussenminister Adel al-Dschubeir in Riad mit. Das Königreich werde es dem Iran nicht erlauben, seine Sicherheit zu untergraben.

Im schiitischen Iran hatte die Hinrichtung des Geistlichen Nimr al-Nimr zu scharfen Protesten geführt. Der oberste geistliche und politische Führer Irans, Ajatollah Ali Chamenei, drohte den Politikern des sunnitischen Saudi-Arabiens mit der "Rache Gottes".

Die einflussreichen iranischen Revolutionsgarden kündigten dem Königshaus eine "scharfe Vergeltung" an. In Teheran stürmten aufgebrachte Demonstranten in der Nacht zum Sonntag die saudiarabische Botschaft.

Al-Nimr war am Samstag in Saudi-Arabien zusammen mit 46 weiteren Menschen wegen Terrorvorwürfen hingerichtet worden. Der 56-Jährige war ein entschiedener Gegner des erzkonservativen sunnitischen Königshauses in Riad.

Er hatte im Arabischen Frühling im Jahr 2011 die Abspaltung der östlichen Regionen Katif und Al-Ihsaa befürwortet, in denen die meisten der rund zwei Millionen Schiiten Saudi-Arabiens leben. Im Oktober 2014 wurde al-Nimr in Saudi-Arabien wegen Aufwiegelung, Ungehorsams und Waffenbesitzes zum Tode verurteilt. (sda/reu/afp)


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