Kirchner glaubt an eine Verschwörung

ARGENTINIEN ⋅ Argentiniens Staatschefin Cristina Fernández de Kirchner geht in der Affäre um den mysteriösen Tod des Staatsanwaltes Alberto Nisman in die Offensive. Sie spricht in einem offenen Brief von einer Kampagne gegen die Regierung, der auch Nisman zum Opfer gefallen sei.

22. Januar 2015, 17:09

Nisman ermittelte im Fall des Anschlags auf das jüdische Gemeindezentrum Amia 1994 mit 85 Toten. Kurz vor seinem Tod hatte der Beamte Kirchner und Aussenminister Héctor Timerman wegen Verschleierung der mutmasslich iranischen Hintermänner angeklagt.

Kirchner zeigte sich sicher, dass Nisman sich nicht selbst umbrachte. "Der Selbstmord, der (davon bin ich überzeugt) kein Selbstmord war", schrieb die Staatschefin am Donnerstag in einem langen via Twitter zugänglich gemachten Brief. "Ich habe heute keine Beweise, aber ich habe auch keine Zweifel", schrieb sie.

Nisman wurde aus ihrer Sicht für eine Operation gegen die Regierung missbraucht, ohne es zu wissen. "Sie benutzten ihn, als er am Leben war, und dann war er ihnen tot nützlicher. So traurig und schrecklich", schrieb sie ohne aber konkrete Angaben über etwaige Hintermänner zu machen.

Der Sonderermittler war am Sonntag, einen Tag bevor er seinen Anklage im Parlament erläutern wollte, tot in seiner Wohnung in Buenos Aires aufgefunden worden. Er starb durch einen Kopfschuss. Die Umstände sind ungeklärt.

Vorwürfe an Kirchner

Nisman hatte Kirchner vorgeworfen, Teil eines "kriminellen Plans" zu sein, um die Strafverfolgung der im Iran vermuteten Attentäter des Anschlags von 1994 zu vereiteln, um so die Wirtschaftsbeziehungen zum Iran zu verbessern.

Die Behauptungen Nismans sind aus Sicht Kirchners alle widerlegt und dessen Anklageschrift sei in sich zusammengebrochen. So seien etwa die von Nisman genannten Agenten keine Agenten gewesen.

Die Anklage Nismas war am Dienstagabend in voller Länger veröffentlicht worden. Aus Nismans Unterlagen geht hervor, dass er von geheimen und öffentlichen Verhandlungen von Vertretern Argentiniens mit den Iranern ausging, in deren Verlauf man sich verständigt habe, den Antrag bei Interpol zur Festnahme verdächtiger Iraner zurückzunehmen. (sda/dpa)


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