Lebenslang für Völkermord in Srebrenica

KRIEGSVERBRECHEN ⋅ Das UNO-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag hat die lebenslange Haftstrafe für den bosnisch-serbischen Ex-General Zdravko Tolimir für den Völkermord in Srebrenica bestätigt.

08. April 2015, 18:39

Das erstinstanzliche Urteil von 2012 sei richtig gewesen, befand der Vorsitzende Richter Theodor Meron am Mittwoch. Dem erstinstanzlichen Urteil zufolge hatte der heute 66-Jährige im Zusammenhang mit dem Massaker von Srebrenica 1995 in "genozidärer Absicht" gehandelt. Mit dem Urteil der Berufungskammer ist Tolimir endgültig verurteilt.

Tolimir hatte eine Schlüsselrolle bei dem Völkermord gespielt und war nach dem Richterspruch auch für die Vertreibung von tausenden Menschen aus der UNO-Schutzzone Zepa im Osten Bosniens verantwortlich. Tolimir trug bei der öffentlichen Sitzung ein grosses Holzkreuz um den Hals und bekreuzigte sich mehrfach, als Meron ihn bat, zur Urteilsverkündung aufzustehen.

Rechte Hand von Ex-Armeechef Mladic

Im Dezember 2012 war Tolimir, die rechte Hand des ebenfalls in Den Haag angeklagten früheren bosnisch-serbischen Armeechefs Ratko Mladic, vom Haager Tribunal unter anderem des Völkermords für schuldig befunden worden. Er war nach Ansicht der Mehrheit der Richter an den Planungen für das Massaker von Srebrenica 1995 beteiligt.

Tolimir war im Mai 2007 in Bosnien gefasst worden. Während des Bosnienkrieges war er einer von sieben Stellvertretern Mladics. Tolimir sei "die rechte Hand und die Augen und die Ohren" von Mladic gewesen, sagten die Richter.

Tolimir, zuständig für den militärischen Geheimdienst, sei Teil eines "gemeinsamen kriminellen Unternehmens" zur Ermordung tausender muslimischer Männer und Jungen sowie der Vertreibung von Frauen und Mädchen gewesen, um einen "mono-ethischen serbischen Staat" zu schaffen.

Tolimir hält sich für unschuldig

Im Juli 1995 hatten bosnisch-serbische Milizen bei der Eroberung der UNO-Schutzzone Srebrenica tausende Muslime getötet. Tolimir selbst hatte zu Beginn des Verfahrens Anfang 2010 auf unschuldig plädiert.

Der frühere General, der sich im Prozess allein verteidigt hatte, bezeichnete das Massaker von Srebrenica selbst als "Kampf gegen terroristische Gruppen". Er habe dazu keine Befehle gegeben und sei auch nicht selbst vor Ort gewesen. Das Massaker von Srebrenica gilt als das schlimmste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg.

Wegen des Massakers von Srebrenica hat das Haager UNO-Tribunal insgesamt 20 Verdächtige angeklagt, darunter Mladic und den früheren bosnischen Serbenführer Radovan Karadzic. (sda/afp/dpa)


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