Mali-Friedensvertrag bleibt wackelig

MALI ⋅ Im westafrikanischen Mali haben Regierung und verschiedene Rebellengruppen am Freitag in der Hauptstadt Bamako einen Friedensvertrag unterzeichnet. Das Abkommen soll dem Norden des Landes mehr Autonomie geben.

15. Mai 2015, 22:10

Die Rebellen verpflichten sich im Gegenzug, die Souveränität der Regierung von Präsident Ibrahim Boubakar Keita anzuerkennen. Jedoch nahm eine der wichtigsten Rebellenorganisationen nicht an der Zeremonie teil. Beobachter glauben, dass der ganze Plan dadurch in Frage gestellt wird.

Am Donnerstag hatte die wichtige Separatistengruppe "Koordination der Bewegungen des Azawad" (CMA) aber zumindest ihre vorläufige Zustimmung zu dem Abkommen gegeben. Ein Vertreter paraphierte das Dokument in Algier. Algerien hat bei den seit zehn Monaten dauernden Verhandlungen vermittelt.

Die Vereinten Nationen und die Europäische Union begrüssten am Freitag die Unterzeichnung des Abkommens. Dies sei eine entscheidende Etappe und die Frucht langer Verhandlungen, teilte die EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini mit.

Tuareg fordern umfassendere Autonomie

Die CMA fordert weitreichendere Autonomie für den Norden, als in dem Abkommen vorgesehen ist. Tuareg-Rebellen hoffen schon lange auf eine Abspaltung der Region, die sie "Azawad" nennen. Das bedeutet in ihrer Sprache soviel wie "Land der Nomaden"."Das Abkommen wird von den Menschen in Azawad ganz massiv abgelehnt", hatte CMA-Vertreter Moussa Ag Assarid vor wenigen Tagen erklärt. "Diejenigen, die es unterzeichnen, sprechen nur für sich selbst, nicht für die Bevölkerung von Azawad."

Bis zuletzt hatte es so ausgesehen, als könnte der Friedensprozess noch platzen, nachdem es im Norden des Landes Kämpfe zwischen Regierungstruppen und Separatisten gab. Die Rebellen hatten einen Militärkonvoi überfallen und dabei mindestens 20 Menschen getötet. Immer wieder kommt es in der Region zu Kämpfen zwischen Rebellen und Regierungstruppen.

An der Unterzeichnung nahmen neben dem derzeitigen Vorsitzenden der Afrikanischen Union, Präsident Robert Mugabe aus Simbabwe, auch Vertreter der Europäischen Union und aus 22 afrikanischen Ländern teil.

Nach einem Putsch im März 2012 hatten Tuareg-Rebellen und danach Dschihadisten-Gruppen in weiten Teilen Nordmalis die Herrschaft übernommen. Erst durch ein Eingreifen Frankreichs im Januar 2013 konnten die Dschihadisten vertrieben werden. (sda/dpa)


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