Milliardenbusse gegen Banken verhängt

BANKEN ⋅ Sechs Banken werden von Behörden in den USA und Grossbritannien für ihre Tricksereien an den Finanzmärkten zur Rechenschaft gezogen. Wegen der Manipulation von Devisenkursen müssen sie insgesamt fast 6 Mrd. Dollar bezahlen.

20. Mai 2015, 18:50

Betroffen sind neben der UBS die US-Banken Citigroup, JPMorgan Chase und Bank of America sowie die britischen Institute Barclays Bank und Royal Bank of Scotland. Die US-Justizministerin Loretta Lynch bezeichnete das Verhalten der Banken am Mittwoch bei einer Medienkonferenz in Washington als "unverschämt".

Die Banken sollen am bislang wenig überwachten Devisenmarkt, an dem täglich fünf Billionen Dollar umgesetzt werden, getrickst haben. Die Ermittler sahen es als erwiesen an, dass Händler in den betroffenen Instituten versucht haben, an wichtigen Kursen zu schrauben, um Gewinne einzustreichen.

Citigroup, JPMorgan Chase, Barclays Bank und Royal Bank of Scotland bekannten sich wegen der Manipulation am Devisenmarkt schuldig. Die vier Banken und die UBS müssen insgesamt Bussgelder in Höhe von rund 5,7 Mrd. Dollar zahlen, wie das US-Justizministerium (DOJ) mitteilte. Die Bank of America zahlt gut 200 Mio. Dollar an die US-Notenbank Fed.

Barclays erhält höchste Strafe

Die höchste Geldstrafe muss mit 2,4 Mrd. Dollar die britische Barclays Bank zahlen: Sie enthält auch ein 60-Millionen-Dollar-Bussgeld wegen Manipulation des Libor-Zinssatzes. Zudem muss sie acht Leute vor die Tür setzen.

Die Strafe gegen Barclays fiel auch deshalb höher aus, weil sich die Bank nicht an einer früheren Vereinbarung mit den Regulierungsbehörden beteiligt hatte. Damals waren Banken insgesamt zu Bussgeldern über 4,3 Mrd. Dollar verdonnert worden.

Weil die UBS frühzeitig mit den Ermittlern kooperiert hatte, kam sie nun vergleichsweise glimpflich davon. Sie muss wegen der Manipulation am Devisenmarkt eine Geldstrafe von 342 Mio. Dollar zahlen, wie sie am Mittwochmorgen bekannt gab. Zudem musste sie sich in diesem Fall nicht schuldig bekennen, jedoch im Zusammenhang mit dem Liborskandal ihre Schuld eingestehen.

Fast neun Milliarden Dollar Bussen

Generalstaatsanwältin Lynch sagte, die am Mittwoch verhängten Strafen sollten auch andere Banken abschrecken, Gewinnen ohne Rücksicht auf Fairness, das Gesetz und das öffentliche Wohl nachzujagen.

Wegen Manipulationen am Devisenmarkt wurden bereits Geldstrafen von insgesamt fast neun Mrd. Dollar gegen grosse Banken verhängt. Täglich werden am Devisenmarkt 5,3 Billionen Dollar umgesetzt, davon nach Angaben des US-Justizministeriums 40 Prozent in der Londoner City.

Schuldbekenntnisse bemerkenswert

An den Finanzmärkten waren die Bussgelder bereits erwartet worden. Anwälte der Banken hatten lange hinter den Kulissen mit den Regulierern verhandelt.

Laut Analysten sind an dem jüngsten Kompromiss vor allem die Schuldbekenntnisse der Banken bemerkenswert, auf denen die Behörden bestanden. Die betroffenen Banken gestehen damit formal ein, dass unter ihrer Aufsicht Verbrechen wie Betrug stattgefunden haben. Ob und inwieweit dafür Personen strafrechtlich belangt werden, ist aber noch ungewiss. (sda/afp/reu/dpa)


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