Noch gibt es Hoffnung für Regenwälder

UMWELT ⋅ Klimawandel und industrielle Landwirtschaft bedrohen die tropischen Regenwälder in ihrem Bestand - und verstärken damit wiederum die Erderwärmung. Vor einem Fortschreiten dieser Spirale warnt der Club of Rome.

21. Mai 2015, 14:20

Die Lage sei ernst, aber noch nicht hoffnungslos. Der Verlust tropischer Regenwälder nimmt nicht nur Tieren und Pflanzen den Lebensraum, sondern befeuert auch den Klimawandel. Der 34. Bericht an den Club of Rome, der am Donnerstag in Berlin vorgestellt wurde, warnt davor, erste Erfolge beim Schutz von Regenwäldern wieder zu gefährden.

"Das Zusammentreffen von Agrarindustrie, Klimawandel und Zerstückelung der Flächen durch Strassen ist ein tödlicher Giftcocktail", kritisiert der langjährige Generaldirektor des WWF International, Claude Martin, in seinem Bericht zum Status quo der Tropenwälder.

Zwar sei die Entwaldung in manchen Regionen wie etwa Brasilien zuletzt etwas langsamer fortgeschritten, sagte Martin. In Südostasien jedoch habe sie sich aber beschleunigt. Dort entstanden zahlreiche Palmöl-Plantagen. Auch dem Anbau von Soja muss viel Wald weichen.

"Wir sind im Begriff, den Regenwald aufzuessen, und zwar auf sehr unnachhaltige Weise", sagte Martin. Allein durch Holzeinschlag seien bereits Primärwälder von mehr als der Grösse Indiens verschwunden.

Dabei sind Regenwälder wichtige Treibhausgas-Speicher. "In normalen Jahren werden allein im Amazonasbecken durch den Regenwald 0,4 bis 0,6 Gigatonnen Kohlenstoff gebunden", erläuterte Martin. Dies bremst den Klimawandel.

Unternehmen machen Druck auf Regierung

In Brasilien, dem Land mit dem grössten Regenwald-Block der Erde, spitzt sich die Situation momentan zu. "Das Land hat grosse Erfolge im Regenwaldschutz im Amazonas erzielt und kann für andere Staaten als Modell funktionieren", sagt Jörg Andreas Krüger, Experte für Biodiversität beim WWF Deutschland.

Derzeit stehe die Regierung jedoch unter dem Druck der Agrar-, Energie- und Bergbauindustrie. Eine Verfassungsreform drohe bestehende Schutzgebiete aufzulösen, auch neue Bergbaugebiete seien geplant.

Umweltschützer fordern, den Regenwaldschutz wieder weiter nach vorne auf die Agenda zu rücken. "Die politischen Entscheidungsträger spielen wortwörtlich mit dem Feuer", sagte Graeme Maxton, Generalsekretär des Club of Rome.

Nach jahrzehntelangem Raubbau umfassen die verbliebenen Waldflächen am Amazonas, in Afrika und Asien noch eine Fläche, die grösser ist als die der USA. Wird die Abholzung nicht gestoppt, werden bis 2050 voraussichtlich Waldgebiete von der doppelten Grösse Spaniens verschwinden.

Der Club of Rome ist ein Zusammenschluss von Experten verschiedenster Disziplinen aus mehr als 30 Ländern. 1968 gegründet, setzt sich die gemeinnützige Organisation für eine nachhaltige Zukunft der Menschheit ein. Wegweisend war der erste Bericht "Grenzen des Wachstums" aus dem Jahr 1972. (sda/dpa)


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