Doppelschlag gegen Terror – Attentäter tot

PARIS ⋅ Zwei Tage nach dem Attentat auf «Charlie Hebdo» hat die Polizei ein Versteck der Attentäter gestürmt und die beiden Männer getötet. Zeitgleich beendeten Spezialeinheiten die Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt im Osten von Paris. Der Täter wurde getötet, vier Geiseln kamen ums Leben.

09. Januar 2015, 23:19

Präsident François Hollande sagte am Freitagabend, er verurteile die antisemitische Tat. Er rief alle Franzosen für Sonntag zu einem Gedenkmarsch in Paris auf. Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga kündigte bereits ihre Teilnahme an.

Erwartet werden zum Gedenkmarsch auch die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, der britische Premierminister David Cameron sowie seine Amtskollegen aus Italien und Spanien, Matteo Renzi und Mariano Rajoy, sowie EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker, EU-Ratspräsident Donald Tusk und die EU-Aussenbeauftragte Federica Mogherini.

Fast 90'000 Sicherheitskräfte

An der Suche nach den Brüdern Cherif und Said Kouachi, die bei ihrem Überfall auf «Charlie Hebdo» am Mittwoch zwölf Menschen getötet haben sollen, beteiligten sich fast 90'000 Einsatzkräfte.

Am Freitagmorgen verfolgten Anti-Terror-Einheiten ein Fahrzeug auf einer Autobahn in der Nähe von Dammartin. Schüsse fielen. Polizeilaster, Rettungswagen und gepanzerte Fahrzeuge rasten zum Ort des Geschehens, der wenige Kilometer vom Flughafen Charles de Gaulle entfernt liegt. Sicherheitskräfte riegelten Zufahrten ab. Schulen wurden evakuiert. Die 8000 Einwohner wurden aufgerufen, in den Häusern zu bleiben.

Am Nachmittag ging alles sehr schnell: Schüsse und mehrere Explosionen warem zu hören. Dann Stille. Aus der Druckerei stieg Rauch auf. Polizisten stürmten das Gebäude. Ein Helikopter landete auf dem Dach der Druckerei.

Und fast zeitgleich fielen in dem jüdischen Supermarkt in Paris Schüsse. Mindestens vier Detonationen waren zu hören. Dann die ersten Meldungen: Die beiden Brüder sind tot. Kurz darauf hiess es, auch der Geiselnehmer im Supermarkt, Amedy Coulibaly, lebe nicht mehr.

  • Gathering, to commemorate the 17 victims of the Paris terror attacks
  • Gathering, to commemorate the 17 victims of the Paris terror attacks
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Auf der ganzen Welt gingen Leute unter dem Motto "Je suis Charlie" auf die Strasse und brachten damit ihre Trauer über das Attentat von Paris zum Ausdruck.

Geiselnehmer haben sich abgestimmt

Unbestätigten Angaben zufolge sollen alle drei Täter derselben Dschihadisten-Gruppe angehört haben. Coulibaly hatte den Sender BFM-TV angerufen und erklärt, er wolle die Palästinenser verteidigen und auf Juden zielen. Er habe Verbindungen zur Terrormiliz Islamischer Staat (IS) und er habe gemeinsam mit den Kouachi-Brüdern seine Tat und den Anschlag auf «Charlie Hebdo» geplant, sagte Coulibaly.

Demselben Sender hatte Cherif Kouachi in einem Telefongespräch aus der Druckerei erklärt, er habe finanzielle Unterstützung vom Al-Kaida-Prediger Anwar al-Awlaki erhalten, der zahlreiche Extremisten angeworben hat. «Ich wurde von der Kaida im Jemen entsandt, ich, Cherif Kouachi.» Er sei vor dem Tod Al-Awlakis im Jemen gewesen. Dieser war im September 2011 getötet worden.

Hollande: Kampf nicht zu Ende

Hollande erklärte, die Gefahr für Frankreich sei noch nicht vorüber. Das Land müsse unerbittlich im Kampf gegen Rassismus und Antisemitismus sein. Auf keinen Fall dürfe man die Dinge vermischen. Solche Fanatiker hätten nichts mit dem Islam zu tun. Hollande rief seine Landsleute auf, am Sonntag für die Werte der Demokratie, der Freiheit und des Pluralismus' zu demonstrieren.

Seit dem Anschlag auf «Charlie Hebdo» waren die Sicherheitskräfte in Sorge, dass es zu einem zweiten Angriff oder einer Geiselnahme kommen könnte. Bei ihrem Überfall am Mittwoch schossen die Attentäter mit Kalaschnikow-Gewehren auf Journalisten und Zeichner und riefen «Allah ist gross» und «Wir haben den Propheten Mohammed gerächt». Das Blatt hatte Führer aller Religionen - auch des Islams - verspottet.

Der Chef des britischen Inland-Geheimdienstes MI5, Andrew Parker, warnte denn auch vor Anschlägen mit einer grossen Opferzahl in westlichen Ländern. An einer Sondersitzung an diesem Sonntag in Paris wollen die EU-Innenminister europäische und internationale Anstrengungen im Kampf gegen Terrorismus und im Umgang mit ausländischen Kämpfern diskutieren.

Zwei Tage nach dem Attentat auf die Redaktion des französischen Satiremagazins «Charlie Hebdo» (7. Januar 2015) hat die Polizei ein Versteck der Attentäter gestürmt und die beiden Männer getötet. Zeitgleich beendeten Spezialeinheiten die Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt im Osten von Paris. Der Täter wurde getötet, vier Geiseln kamen ums Leben.

Imame verurteilen Gewalt

Imame in ganz Frankreich verurteilten während des Freitagsgebets die Anschläge und riefen zu Gewaltlosigkeit auf. Die Attentäter seien «Kriminelle, keine Muslime», sagte der Geistliche Chabbar Taieb, der fünf Moscheen in Paris vorsteht. Folge ihrer Bluttat sei nun, dass überall die Furcht vor Muslimen zunehme «und die Muslime ebenfalls in Furcht leben».

Überlebende Mitarbeitende des Magazins «Charlie Hebdo» begannen derweil am Freitag in den Räumen der Zeitung «Libération» mit der Arbeit an der nächsten Ausgabe. Sie soll kommende Woche in einer Sonderauflage von einer Million Exemplaren erscheinen, auch in der Schweiz.

Bei dem Attentat auf ihre Redaktion waren acht «Charlie-Hebdo»-Journalisten und ein weiterer Kollege getötet worden. Das Blatt war mehrmals wegen Mohammed-Karikaturen angefeindet worden.

Nach der Bluttat in der Redaktion von Charlie Hebdo melden sich Karikaturisten aus der ganzen Welt mit Solidaritäts-Zeichnungen. Wir haben einige davon gesammelt.


(sda/afp/dpa/reu)


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