Papst Franziskus zu Besuch in Seoul

KATHOLISCHE KIRCHE ⋅ Unter dem Eindruck der Spannungen zwischen Süd- und Nordkorea hat Papst Franziskus seine erste Asien-Reise mit einem Friedensaufruf begonnen. Frieden könne nur durch Dialog, nicht durch gegenseitige Vorwürfe, fruchtlose Kritik und Machtdemonstrationen erreicht werden.

14. August 2014, 16:09
  • Pope Francis, Park Geun-hye
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Zu seiner ersten Pastoralreise nach Asien ist Papst Franziskus in Südkorea eingetroffen. Es ist zugleich der erste Besuch eines Papstes in dem ostasiatischen Land seit 25 Jahren.

In seiner Rede vor Südkoreas Präsidentin Park Geun Hye und anderen Politikern erkannte der Papst am Donnerstag in Seoul die Schwierigkeit an, die Mauern "des Misstrauens und des Hasses" zwischen den verfeindeten Nachbarstaaten zu durchbrechen.

Doch "Koreas Streben nach Frieden ist uns ein Herzensanliegen, denn es wirkt sich auf die Stabilität der gesamten Region und in der Tat auf unsere ganze kriegsmüde Welt aus", sagte der 77-jährige Argentinier zum Auftakt des ersten Besuchs eines Papstes in Südkorea seit 25 Jahren.

Er wolle zu Bemühungen um Versöhnung auf der geteilten Halbinsel ermutigen, "denn sie sind der einzig sichere Weg zu dauerhaftem Frieden". Damit solle auch ein Beispiel für die Jugend gegeben werden.

Park bekräftigte ihrerseits, dass Nordkorea auf die Entwicklung von Atomwaffen verzichten müsse. Am Montag hatte Südkorea dem verfeindeten Nachbarn neue Gespräche über eine Verbesserung der Beziehungen vorgeschlagen.

Papst begrüsst "Sewol-Opfer"

Die Ankunft des Papstes auf einem Militärflughafen in Seoul war live im Fernsehen übertragen worden. Präsidentin Park empfing das Oberhaupt der katholischen Kirche auf einem roten Teppich.

Am Flughafen begrüsste der Pontifex auch Mitglieder von vier Familien, die bei dem Untergang der Fähre "Sewol" im April vor der Südwestküste Südkoreas engste Angehörige verloren hatten. Bei der Katastrophe kamen rund 300 Menschen ums Leben.

Die betroffenen Familien hatten an den Papst appelliert, ihre Forderungen, eine gründlichen Untersuchung der Unglücksursache eingeschlossen, zu unterstützen. Franziskus wurde auch von nordkoreanischen Flüchtlingen, Behinderten sowie Opfern von Verbrechen begrüsst.

Nordkoreanische Raketen

Wenige Minuten, bevor der Papst in Südkorea aus dem Flugzeug stieg, feuerte Nordkorea drei Raketen ins Meer. Später folgten zwei weitere Geschosse, wie das Verteidigungsministerium in Seoul mitteilte. Es verschärfte daraufhin die Sicherheitsvorkehrungen an der Grenze.

Das kommunistische Regime Nordkoreas hatte Südkorea und die USA zuletzt mehrfach vor einem jährlichen gemeinsamen Militärmanöver gewarnt, das kurz nach dem Besuch des Papstes in der nächsten Woche beginnen soll. Nordkorea sieht in diesen Übungen Angriffsvorbereitungen, was beide Länder aber bestreiten.

Aussöhnungs-Gottesdienst

Papst Franziskus will fünf Tage in Südkorea bleiben. Einer der geplanten Gottesdienste in Seoul ist der Aussöhnung zwischen Süd- und Nordkorea gewidmet. Die Anreise von Katholiken aus dem kommunistischen Norden wurde von der Regierung in Pjöngjang aber untersagt. Als Grund wurde die geplante Militärübung angeführt.

Bei einem Gottesdienst in der Hauptstadt Seoul will Franziskus am Samstag 124 koreanische Gläubige seligsprechen, die im 18. und 19. Jahrhundert den "Märtyrertod" gestorben waren. Zu der Freiluftmesse werden bis zu einer Million Besucher erwartet.

Schwerpunkt Asien

Offizieller Anlass der Reise sind die Jugendtage der asiatischen Katholiken. Der Besuch in Südkorea spiegelt auch die Absicht des Papstes, Asien zum Schwerpunkt seines Pontifikats zu machen.

In Asien wird der Anteil der Katholiken auf nur etwas über drei Prozent geschätzt - in Südkorea sind es nach Angaben der Kirche immerhin über zehn Prozent der Bevölkerung von etwa 52 Millionen Menschen.

Auf dem Flug nach Südkorea sagte der Papst laut Vatikan in einer Grussbotschaft an Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping: "Ich rufe den göttlichen Segen für Frieden und das Wohl für die Nation." Es war das erste Mal, dass China das Flugzeug des Papstes durch seinen Luftraum fliegen liess. (sda/afp/dpa)


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