Shinzo Abe fordert von IS Geisel-Freilassung

IS-VORMARSCH ⋅ Die Terror-Miliz Islamischer Staat (IS) hat erstmals ausdrücklich Geld verlangt, damit sie das Leben von Geiseln verschont. In einem am Dienstag im Internet veröffentlichten Video drohten die Islamisten mit der Tötung von zwei verschleppten Japanern, sollte die Regierung in Tokio nicht 200 Millionen Dollar zahlen.

20. Januar 2015, 14:29

In dem Video, in dem Japan die Teilnahme an einem "Kreuzzug" vorgeworfen wird, knien die zwei Geiseln neben einem maskierten und mit einem Messer bewaffneter Geiselnehmer. Sie tragen orangene Overalls, so wie mehrere Geiseln aus dem Westen, die im vergangenen Jahr vom IS getötet worden waren.

Die japanische Öffentlichkeit habe 72 Stunden Zeit, um die Regierung in Tokio davon abzubringen, die USA in ihrem Kampf gegen den IS zu unterstützen, erklären die Kidnapper. "Ansonsten wird dieses Messer zu Eurem Alptraum werden", sagte der Bewaffnete auf Englisch. Bisherige Videos zeigten Drohungen gegen die Entführten oder ihre Enthauptung.

Identität der Geiseln bekannt

In dem Video wurden die Namen der Verschleppten genannt, ein freier Journalist und Buchautor sowie ein Mann, zu dessen Motiv, sich in der Region aufzuhalten, nichts bekannt ist.

Seinem Vater und Medienberichten zufolge soll er im vergangenen Jahr aber eine Reise in den Irak und nach Syrien gegenüber Familie und Freunden als letzte Chance für einen Neustart bezeichnet haben, nachdem seine Firma pleitegegangen, seine Frau an Krebs gestorben und er obdachlos geworden sei.

Abe fordert Freilassung

Die Geiselnahme erfolgte zwei Tage nach der Ankündigung der japanischen Regierung, Länder, die mit der Bedrohung durch den IS zu kämpfen haben, mit 200 Millionen Dollar zu unterstützen. Die Mittel dienten der Hilfe für Flüchtlinge, machte Japans Ministerpräsident Shinzo Abe am Dienstag bei einer Pressekonferenz deutlich.

Abe, der sich zur Zeit auf einer Nahost-Reise befindet, forderte in Jerusalem die sofortige Freilassung der Geiseln. Auf die Frage ob Japan das Geld zahlen werde sagte er, das Leben der Verschleppten zu retten habe oberste Priorität. Japan werde unbeirrt an seiner Politik festhalten, einen "proaktiven" Beitrag zum Frieden zu leisten, sagte Abe.

Der ihn auf der Nahostreise begleitende Vize-Aussenminister Yasuhide Nakayama soll in die jordanische Hauptstadt Amman reisen, um sich um die Lage zu kümmern, hiess es. Das japanische Kabinett trat in Tokio zu einer Dringlichkeitssitzung zusammen. Die Aufnahme werde geprüft, hiess es.

Der IS kontrolliert in Syrien und im benachbarten Irak grosse Gebiete. Die Miliz geht mit grosser Brutalität gegen Andersgläubige und Muslime vor, die ihre fundamentalistische Auslegung des Islam nicht teilen. Die Extremisten hatten im vergangenen Jahr drei US-Bürger und zwei Briten enthauptet und dazu Videos verbreitet. (sda/afp)


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