Solidarität mit Frankreich in der arabischen Welt

PARIS ⋅ Nach den Terrorattacken zeigt sich die muslimische Welt solidarisch mit Frankreich. Zeitungen kritisierten am Samstag die von Islamisten verursachte Gewalt.

10. Januar 2015, 13:54

Die überregionale arabische Tageszeitung «Al-Sharq al-Awsat» schrieb von einem «Tag des Horrors», die ägyptische «Al-Masri al-Joum» titelte: «Frankreich nimmt Rache für die Opfer».

Mit einem Doppelschlag hatte die französische Polizei am Freitag zwei Geiselnahmen beendet und dabei drei Islamisten getötet, darunter auch die beiden Brüder, die den Anschlag auf das Satiremagazin verübt haben sollen. Insgesamt gab es innerhalb von drei Tagen 20 Tote.

Der ägyptische Präsident Abdel Fattah al-Sisi sprach seinem Amtskollegen François Hollande am Freitag sein «erneutes aufrichtiges Beileid im Namen Ägyptens» aus.

Zwei Tage nach dem Attentat auf die Redaktion des französischen Satiremagazins «Charlie Hebdo» (7. Januar 2015) hat die Polizei ein Versteck der Attentäter gestürmt und die beiden Männer getötet. Zeitgleich beendeten Spezialeinheiten die Geiselnahme in einem jüdischen Supermarkt im Osten von Paris. Der Täter wurde getötet, vier Geiseln kamen ums Leben.

Hisbollah: Nicht islamisch

Auch der irakische Schiitenprediger Muktada al-Sadr verurteilte die Angriffe als «nicht der Ethik des Islam» entsprechend. Der Chef der schiitischen Hisbollah im Libanon, Hassan Nasrallah, sagte, Terroristen hätten dem Islam mehr geschadet als jeder andere in der Geschichte. «Sie haben den Propheten Gottes und die islamische Welt beleidigt».

Arabische Zeitungen druckten als Zeichen der Solidarität Karikaturen, die sich mit den Angriffen auseinandersetzen. So zeigt die libysche Zeitung «Al-Wasat» den berüchtigten Extremisten «Jihadi John», wie er vor laufender Kamera einen Stift enthaupten will. «Jihadi John» hatte im vergangenen Sommer mehrere Geiseln der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), darunter britische und amerikanische Journalisten, getötet.

Nach der Bluttat in der Redaktion von Charlie Hebdo melden sich Karikaturisten aus der ganzen Welt mit Solidaritäts-Zeichnungen. Wir haben einige davon gesammelt.

Ägypten: Nichts mit Religion zu tun

Die ägyptische Zeitung «Al-Masri al-Joum» dreht den Spiess um: Ein mit einem Stift bewaffneter Zeichner jagt ein gehörntes Ungeheuer, auf dem «Intoleranz» geschrieben steht.

In einem Kommentar benennt die Zeitung die islamistischen Angriffe in Frankreich als Massaker, die «nichts mit Religion zu tun haben». Als Adresse an die Attentäter heisst es weiter: «Zeitungen kann man nicht erschiessen.»

Für Samstagabend hat die Zeitungsgewerkschaft Marokkos eine Mahnwache in der Hauptstadt Rabat angekündigt. Die ägyptische Gewerkschaft plant unter dem Titel «Zur Verteidigung der Meinungsfreiheit und zum Wohl der freien Rede» in der Hauptstadt Kairo ebenfalls eine Mahnwache für Sonntag.

Islamisten jubeln

Extremisten hingegen bejubeln die Ereignisse. Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bezeichnet den Anschlag in Paris als Beginn einer Terrorreihe mit weiteren Angriffen in Europa und den USA. Die Gruppe Al-Kaida auf der Arabischen Halbinsel (AQAP) droht Frankreich ebenfalls mit weiteren Anschlägen.

  • Gathering, to commemorate the 17 victims of the Paris terror attacks
  • Gathering, to commemorate the 17 victims of the Paris terror attacks
  • Gathering, to commemorate the 17 victims of the Paris terror attacks

Auf der ganzen Welt gingen Leute unter dem Motto "Je suis Charlie" auf die Strasse und brachten damit ihre Trauer über das Attentat von Paris zum Ausdruck.

sda
 


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