Unbefleckte Empfängnis bei Sägerochen

TIERE ⋅ Wissenschaftler haben bei einer Sägerochenart in Florida jungfräulich gezeugte Nachkommen gefunden. Es ist das erste Mal, dass auf diese Weise geborene, lebensfähige Jungtiere in freier Wildbahn nachgewiesen wurden.
01. Juni 2015, 18:00

Das Team um Demian Chapman von der Stony Brook Universität im US-Staat New York hat eine Routine-DNA-Untersuchung bei der Sägerochenart Pristis pectinata durchgeführt. Sie wollten eigentlich wissen, ob bei den stark gefährdeten Rochen, von denen es nur noch wenige Exemplare in Florida gibt, Inzucht häufig ist.

"Was der DNA-Fingerabdruck ergab, war aber noch überraschender: Weibliche Sägerochen pflanzen sich manchmal ohne Paarung fort", sagte Erstautor Andrew Fields in einer Mitteilung der Hochschule. Die Forscher fanden insgesamt sieben derart gezeugte Individuen, ein Anteil von 3 Prozent der untersuchten Sägerochen.

Die jungfräuliche Zeugung, von Biologen Parthenogenese genannt, ist bei wirbellosen Tieren häufig, bei Wirbeltieren jedoch selten. Bisher hat man sie bei einigen Schlangen, Vögeln und Haien nachgewiesen, jedoch meistens in Zoos, wo alleine lebende Weibchen eines Tages plötzlich Nachwuchs hatten.

Bei bester Gesundheit

Bei Wirbeltieren entsteht Parthenogenese vermutlich, wenn eine Eizelle mit einer anderen Eizelle statt eines Spermiums verschmilzt. Man sei jedoch davon ausgegangen, dass dies eine Kuriosität von Tieren in Gefangenschaft sei, die normalerweise nicht zu lebensfähigen Nachkommen führe, erklärten die Autoren.

Die sieben jungfräulich gezeugten Sägerochen schienen jedoch bei bester Gesundheit zu sein. Die Forscher haben alle gefangenen Tiere markiert und zurück in die Freiheit entlassen, um das Verhalten der Rochen zu erforschen.

"Gelegentliche Parthenogenese könnte in freier Wildbahn viel öfter vorkommen als wir gedacht hatten", schliesst Kevin Feldheim vom Field Museum in Chicago, wo die DNA-Untersuchungen durchgeführt worden waren.

Es sei möglich, dass diese seltsame Form der Fortpflanzung vor allem in schwindenden Populationen vorkommt, mutmassen die Forscher. Sie empfehlen deshalb anderen Biologen, die DNA-Daten anderer Arten ebenfalls auf solche versteckten Fälle von Parthenogenese zu überprüfen. (sda)

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