Verhandlungen werden verlängert

LAUSANNE ⋅ Die Atomgespräche mit dem Iran gehen in die Verlängerung. Es seien genügend Fortschritte erzielt worden, um eine Fortsetzung bis Mittwoch zu rechtfertigen, sagte US-Aussenministeriumssprecherin Marie Harf am Dienstagabend in Lausanne.

31. März 2015, 22:39

Ursprünglich war eine Einigung bis Mitternacht angestrebt worden. Es gebe jedoch weiterhin "mehrere schwierige Themen", so Harf. Zuvor hatte der französische Aussenminister Laurent Fabius gesagt, die Gespräche machten Fortschritte, seien aber "lang, kompliziert und schwierig - ich fürchte, wir verbringen dort die Nacht".

Aus deutschen Diplomatenkreisen verlautete, es habe "den ganzen Tag über schwierigste Verhandlungen der Minister über die entscheidenden Fragen" gegeben. Die Stimmung sei "wechselhaft", es gebe ein "hartes Ringen um eine machbare, für beide Seiten akzeptable Lösung". Es sei "weiter offen, ob das gelingt".

Das iranische Delegationsmitglied Hamid Baidnedschad sagte, die Verhandlungen würden dann enden, "wenn Lösungen gefunden sind". Seine Delegation sei "bereit, weiterzumachen. Wir schauen nicht auf die Uhr."

Lausanne - Moskau retour

Der russische Aussenminister Sergej Lawrow traf am Nachmittag erneut in Lausanne ein. Am Vortag war er von den Verhandlungen nach Moskau zurückgeflogen, hatte seine Rückkehr jedoch für den Fall angekündigt, dass es "realistische Chancen" für eine Einigung gebe. Chinas Aussenminster Wang Li reiste aus Lausanne ab.

Die Frist zur Vereinbarung einer politischen Grundsatzvereinbarung sollte eigentlich um Mitternacht ablaufen. Die 5+1-Gruppe und Teheran verhandeln seit Tagen in Lausanne, um eine Lösung im Streit um das iranische Atomprogramm zu finden. US-Aussenminister John Kerry hatte am Montagabend gesagt, es gebe "noch immer schwierige Punkte".

Jahrelange Verhandlungen

Die fünf UNO-Vetomächte und Deutschland bemühen sich seit Jahren um eine Einigung mit dem Iran über dessen Atomprogramm. Ziel ist es, dem Land die zivile Nutzung der Atomtechnologie zu erlauben, es aber an der Entwicklung von Atomwaffen zu hindern. Im Gegenzug sollen Strafmassnahmen gegen Teheran aufgehoben werden.

Beide Seiten streben an, nach der politischen Grundsatzvereinbarung bis Ende Juni ein vollständiges Abkommen samt technischen Einzelheiten abzuschliessen.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu äusserte derweil erneut seine Besorgnis angesichts eines möglichen Atomabkommens mit dem Iran. Der Versuch Teherans, sich Atomwaffen zu beschaffen, sei die grösste Bedrohung für die Sicherheit und die Zukunft Israels, sagt er in einer Rede im Parlament. Die Einigung, die in Lausanne erarbeitet werde, ebne den Weg zu diesem Ziel. (sda/afp/dpa)


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