"Wir sind nicht im Krieg mit dem Islam"

TERRORISMUS ⋅ US-Präsident Barack Obama hat an der Anti-Terror-Konferenz in Washington vor einer Gleichsetzung der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat und des Terrornetzwerks Al-Kaida mit dem Islam gewarnt. "Die Terroristen sprechen nicht für eine Milliarde Muslime", sagte er.

19. Februar 2015, 00:49

"Keine Religion ist verantwortlich für Terrorismus. Menschen sind verantwortlich für Gewalt und Terrorismus", sagte Obama am Mittwoch bei einer Konferenz über gewalttätigen Extremismus.

Extremistengruppen wie Al-Kaida und die IS-Miliz würden "verzweifelt" nach einer Legitimierung für ihre "unfassbaren Akte der Grausamkeit" suchen, sagte Obama weiter. Daher würden sie sich als "heilige Krieger" aufführen und die Idee verbreiten, dass sich der Westen mit dem Islam im Krieg befinde.

Die Strippenzieher in Organisationen wie der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) seien aber keine religiösen Anführer, sagte Obama mit Blick auf den laufenden Militäreinsatz im Irak und in Syrien. "Wir sind nicht im Krieg mit dem Islam. Wir sind im Krieg mit Menschen, die den Islam pervertiert haben."

Aufforderung an Kleriker

"Wir müssen diese Ideologien diskreditieren", forderte der Präsident. Auch die führenden muslimischen Geistlichen müssten klar aussprechen, dass es keinen "Kampf der Kulturen" gebe.

Die "terroristischen Bedrohungen" seien eine Herausforderung für die gesamte internationale Gemeinschaft, sagte Obama. Der Kampf gegen die Extremisten beinhalte dabei eine "militärische Komponente". In den USA und überall auf der Welt müsse die Gesellschaft aber auch dafür sorgen, dass Menschen erst gar nicht in die Fänge von Extremisten geraten.

Terrorgruppen würden vor allem im Internet junge Muslime mit ihrer Propaganda ansprechen und "einer Gehirnwäsche unterziehen", beklagte Obama. Hier müssten Familie, Freunde, Lehrer und Geistliche der Radikalisierung entgegenwirken.

Rahmenbedingungen verbessern

Ausserdem müssten die wirtschaftlichen und politischen Probleme angegangen werden, die von Terrorgruppen ausgenutzt würden. Weiterhin gelte es, die Bildung zu verbessern. "Wenn junge Menschen keine Bildung haben, sind sie anfälliger für Verschwörungstheorien und radikale Ideen", sagte der US-Präsident.

Seit Dienstag beraten Experten aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft im Weissen Haus über den Kampf gegen gewalttätigen Extremismus.

Die dreitägige Konferenz richtet sich nicht ausdrücklich gegen die Gefahr durch Islamisten. Doch das Treffen steht unter dem Eindruck des brutalen Vorgehens der IS-Miliz in Syrien und im Irak sowie der islamistisch motivierten Anschläge von Paris und Kopenhagen.

Am Donnerstag sollen zum Abschluss der Konferenz Vertreter aus mehr als 60 Ländern über den weltweiten Anti-Terror-Kampf diskutieren. Unter anderem haben sich UNO-Generalsekretär Ban Ki Moon, die Innenminister Frankreichs und Grossbritanniens sowie die Aussenminister Japans und Jordaniens angesagt. Die Schweiz wird durch Aussenminister Didier Burkhalter vertreten. (sda/dpa)


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