Zwei Schweizer bei Anschlag in Mali verletzt

MALI ⋅ Bei einem Anschlag auf ein Restaurant in Malis Hauptstadt Bamako sind in der Nacht auf Samstag mindestens fünf Personen getötet worden. Mehrere Personen wurden verletzt, darunter zwei Schweizer Armeeangehörige.

07. März 2015, 18:19

Bei einem Anschlag auf ein Restaurant in Malis Hauptstadt Bamako sind in der Nacht auf Samstag mindestens fünf Personen getötet worden. Mehrere Personen wurden verletzt, darunter zwei Schweizer Armeeangehörige.

Nach einer Notoperation wurden sie nach Senegal ausgeflogen. Das Attentat traf das Restaurant "La Terasse", das bei Ausländern und NGO-Mitarbeitern sehr beliebt ist. Nach Angaben der UNO-Mission in Mali (MINUSMA) und der Polizei stürmte mindestens ein maskierter Bewaffneter gegen 1 Uhr Ortszeit das Lokal in einer belebten Strasse im Stadtzentrum und eröffnete das Feuer auf die Gäste.

Der Schütze habe laut "Allahu Akbar" ("Gott ist gross") gerufen, berichtete ein Augenzeuge. Anschliessend seien die Männer mit einem Auto und einem Motorrad geflohen.

Wer der oder die Täter waren, darüber gibt es keine offiziellen Angaben. Stunden nach dem Anschlag meldeten die Behörden die Festnahme von zwei Verdächtigen, ohne nähere Angaben zu machen; die Polizei sprach von einem "Terroranschlag".

Unter den Toten waren nach Behördenangaben drei Einheimische sowie ein Franzose und ein Belgier. Der Franzose soll laut der Zeitung "Le Figaro" ein in Bamako wohnhafter Ingenieur gewesen sein. Der Belgier arbeitete als Sicherheitsoffizier für die EU-Delegation in Bamako.

Der Belgier war offenbar von den flüchtenden Attentätern vor seinem Haus erschossen worden. Der französische Sender RFI sprach von mindestens zehn Verletzten. Frankreich, Belgien, die Schweiz, die USA und die UNO-Mission in Mali (MINUSMA) verurteilten den Anschlag.

Transport nach Dakar

Die beiden angeschossenen Schweizer Munitionsexperten wurden mit schweren Verletzungen in Bamako in ein Spital gebracht. Dort wurden sie von UNO-Ärzten notfallmässig operiert.

Im Verlaufe des Samstag erlaubte es ihr Gesundheitszustand, dass sie in den benachbarten Senegal geflogen wurden. Dort würden sie von einem UNO-Ärzteteam betreut, teilte das Kompetenzzentrum Friedensfördernde Einsätze des Verteidigungsdepartements (SWISSINT) gegen Abend mit. Sobald ihr Zustand genug stabil sei, würden die zwei mit der Rega von Senegals Hauptstadt Dakar zurück in die Schweiz geflogen.

Die zwei Soldaten, ein Deutsch- und ein Westschweizer, waren in Zivil unterwegs, wie sie es auch während ihrer Arbeit gewesen waren, wie SWISSINT auf Anfrage präzisierte. Ein weiterer Schweizer Armeeangehöriger vor Ort überstand den Anschlag unverletzt. Er wird laut SWISSINT in Mali bleiben.

Zum Zeitpunkt des Anschlags befanden sich insgesamt fünf Schweizer Armeeangehörige als Munitionsexperten in dem westafrikanischen Land. Drei von ihnen waren dort im Rahmen von UNO-Missionen stationiert. Die zwei anderen befanden sich auch für die UNO auf einer Abklärungsmission in Mali, wie es von Seiten von SWISSINT weiter hiess.

Einer der Verletzten war in Mali für die UNO als Minenexperte im Einsatz, der zweite gehörte zur Abklärungsmission, welche sich um Lagerung und Vernichtung von gesammelter Munition kümmert.

Sicherheitsmassnahmen erhöht

Dutzende Polizisten riegelten nach dem Anschlag den Bereich um das Restaurant ab. Die französische Botschaft in Bamako rief Franzosen im Land zur Vorsicht auf und richtete einen Krisenstab ein. Die Sicherheitsvorkehrungen für französische Einrichtungen in Mali wurden verstärkt.

Mali war nach einem Militärputsch im März 2012 ins Chaos gestürzt. Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich griff im Januar 2013 militärisch ein, um das Vorrücken von radikalen Islamisten und Tuareg-Rebellen vom Norden in den Süden des Landes zu stoppen und die geschwächten Regierungstruppen zu unterstützen.

Später übergaben die Franzosen die Verantwortung an die Blauhelm-Mission MINUSMA. Die in der Südhälfte des Landes gelegene Hauptstadt Bamako war zuletzt von Angriffen verschont geblieben. Es ist dort der erste Anschlag seit Jahren. (sda/afp)


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