Zweitägiger Streik bei Germanwings

LUFTVERKEHR ⋅ Die Passagiere der Lufthansa-Tochter Germanwings müssen sich erneut auf die Folgen von Pilotenstreiks einrichten. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) hat ihre Mitglieder unter den rund 700 Germanwings-Piloten für Donnerstag und Freitag aufgerufen, die Arbeit niederzulegen.

11. Februar 2015, 18:39

Wegen des mittlerweile elften Pilotenstreiks werden zahlreiche Flüge ausfallen. An den beiden Tagen zusammen würden knapp 40 Prozent der geplanten 900 Flüge mit mehr als 70'000 Passagieren annulliert, teilte Germanwings am Mittwoch mit.

Um den Flugbetrieb soweit wie möglich aufrecht zu erhalten, haben sich unter anderem Manager der Airline mit Pilotenschein gemeldet. Daneben werden Flugzeuge und Crews anderer Linien angemietet. Dank zusätzlicher Hilfe der Bahn und Umbuchungen auf andere Fluggesellschaften dürften vier von fünf Passagieren an ihr Ziel gelangen.

Schweiz nicht betroffen

Reisende aus der Schweiz dürften von dem Streik nicht betroffen sein. Es habe bisher deswegen keine Anullationen gegeben, sagte ein Sprecher des Flughafens Zürich. Beim Flughafen Genf war noch nicht bekannt, ob es zu Ausfällen kommt.

Der Streik trifft vor allem die Flughäfen Berlin, Köln, Düsseldorf, Hamburg und Stuttgart. An den Lufthansa-Drehkreuzen Frankfurt und München, den grössten deutschen Flughäfen, wird hingegen ein weitgehend normaler Betrieb erwartet.

Streitpunkt Übergangsrenten

Anlass für den Streik sind wie im Vorjahr die ungelösten tariflichen Probleme rund um die Übergangsversorgung der Piloten, die nach dem Lufthansa-Konzerntarifvertrag bezahlt werden. Die VC wirft der Lufthansa vor, auf einer deutlichen Verschlechterung zu beharren und die Übergangsrenten für junge Piloten ganz abschaffen zu wollen.

Nach Ansicht der Lufthansa würde die zukünftig angebotene Übergangsversorgung auch nach der Neuregelung eine der besten in der Branche weltweit bleiben.

Immer wieder Streiks

Im vergangenen Jahr hat die VC bei den Gesellschaften Lufthansa, Lufthansa Cargo und Germanwings zu insgesamt 10 Streiks aufgerufen, nur einmal sagte sie den Ausstand kurzfristig ab. Das Unternehmen hat den Schaden auf rund 200 Mio. Euro beziffert, rund 7400 Flüge mit 850'000 betroffenen Passagieren fielen aus.

Der Flughafenverband ADV verlangte von der Politik, für Arbeitskämpfe in Infrastrukturunternehmen eine obligatorische Schlichtung einzuführen.

"Die Politik darf den Streikexzessen nicht blind gegenüberstehen", erklärte ADV-Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel. "Diese Streikorgien haben allmählich eine Dimension erreicht, die den guten Ruf des Standortes Deutschland stark beschädigen."

Erst am Montag waren die Flughäfen in Hamburg und Stuttgart durch Warnstreiks von Sicherheitspersonal nahezu lahmgelegt worden. Zehntausende Passagiere mussten umbuchen oder nahmen stundenlange Wartezeiten vor dem Abflug in Kauf. Auch in Hannover hatten Beschäftigte die Arbeit niedergelegt, allerdings ohne grössere Auswirkungen. (sda/dpa/reu)


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