Die Stimmen werden neu gezählt

US-WAHLEN ⋅ In drei Bundesstaaten, in denen Donald Trump relativ knapp gewann, kommt es zu einer Nachzählung. Veranlasst hat dies die grüne Präsidentschaftskandidatin Jill Stein. Die Kosten muss sie selber tragen.

28. November 2016, 20:28

Renzo Ruf/Washington

In Wisconsin haben gestern die Vorbereitungen für eine Nachzählung der mehr als 2,9 Millionen Stimmen begonnen, die am 8. November bei der Präsidentenwahl abgegeben worden sind. Die erneute Zählung verlangt hatte die grüne Präsidentschaftskandidatin Jill Stein, die es in America’s Dairyland – so der Beiname des Staates – auf rund 31000 Stimmen brachte.

Weil Stein keine Siegeschancen besitzt, muss sie die Rechnung für das bürokratische Unterfangen übernehmen, an dem sämtliche 72 Verwaltungsbezirke mehrere Wochen beteiligt sein werden. Da die grüne Politikerin in den vergangenen Tagen aber mehr als 6,2 Millionen Dollar an Spendengeldern sammelte, eine selbst für amerikanische Verhältnisse beachtliche Summe, sollte ihr dies keine Probleme bereiten.

Stein begründet die Nachzählung der Stimmen mit dem Wunsch nach absoluter Klarheit. Ohne Beweise zu liefern, sprach Stein von Hinweisen, wonach fremde Mächte Einfluss auf die Präsidentenwahl genommen hätten. Stein will deshalb nicht nur in Wisconsin nachzählen lassen, sondern auch in Pennsylvania und Michigan. Diese drei Staaten haben gemeinsam, dass der Republikaner Donald Trump am 8. November jeweils relativ knapp vor der Demokratin Hillary Clinton lag – und damit die entscheidenden Wahlmänner-Stimmen für seinen Sieg sammelte. In Wisconsin beläuft sich Trumps Vorsprung auf 27000 Stimmen, während er in Michigan 11000 Stimmen vor Clinton lag. In Pennsylvania gewann der Republikaner 71000 Stimmen mehr als die Demokratin.

Wahlrechtsexperten weisen darauf hin, dass das Ergebnis nach Nachzählungen jeweils nur einige hundert Stimmen abweicht. Die Bemühungen Steins werden deshalb auch von linken Amerikanern als Zeitverschwendung bezeichnet. Clinton unterstützt die Bemühungen Steins, liess aber am Wochenende verlauten, dass sie nicht damit rechne, dass sich das Resultat noch ändern werde.

Auch das Trump-Lager wittert Manipulationen

Dies hält das Trump-Lager aber nicht davon ab, scharfe Kritik an Jill Stein zu üben. Was die Kandidatin da veranstalte, sei «frivol» und habe einzig zum Ziel, die Parteikassen der Grünen zu füllen, sagte gestern Jason Miller, ein Sprecher des designierten Präsidenten. Miller warf den Medien auch vor, Hinweise auf gezielte Wahlmanipulationen zu ignorieren, die eine Verfälschung des Resultates zu Ungunsten Trumps zur Folge gehabt hätten. In der Tat hatte der künftige Bewohner des Weissen Hauses am Wochenende behauptet, dass er auch landesweit die meisten Stimmen gewonnen hätte, wären nicht «Millionen» von Menschen, die vom Wahlrecht ausgeschlossen sind, zur Urne geströmt. Fakt ist: Nach Auszählung fast aller Stimmen hat Clinton landesweit 2,3 Millionen mehr Stimmen gewonnen als Trump. Zutreffend ist auch, dass es keine Hinweise darauf gibt, dass das Resultat der Präsidentenwahl in «Virginia, New Hampshire und Kalifornien» manipuliert worden ist, wie von Trump behauptet.

Aussenministerium: Trump trifft sich erneut mit Romney

Diplomatie Das Rätselraten um den künftigen US-Aussenminister geht weiter. Heute Dienstag wird sich der Republikaner Donald Trump in New York erneut mit seinem Parteifreund Mitt Romney treffen, dem gescheiterten Präsidentschaftskandidaten des Jahres 2012. Romney gilt als einer der Favoriten auf das Amt des US-Chefdiplomaten.

Romneys Kandidatur ist unter Trump-Beratern aber auch höchst umstritten, weil er sich im Wahlkampf sehr kritisch über Trump geäussert hatte. So äusserte Wahlkampf-Managerin Kellyanne Conway am Wochenende, die Unterstützer des Geschäftsmannes fühlten sich verraten, dass Romney in engerer Wahl stehe. Andere Anwärter für den Chefposten im Aussenministerium sind Rudy Giuliani, Ex-Stadtpräsident von New York, und David Petraeus, Ex-Direktor des Auslandgeheimdienstes CIA.


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