Kommentar

Gut für die Demokratie

Deutschland-Korrespondent Christoph Reichmuth zur Wahl von Martin Schulz

19. März 2017, 21:12

Mit einer Zustimmung von 100 Prozent wurde Martin Schulz am Sonntag zum neuen SPD-Vorsitzenden gewählt. Eine Wahl ohne eine einzige Gegenstimme – das gab es bei den Genossen noch nie. Das Resultat ist Ausdruck einer neuen Hoffnung, die sich in den Reihen der SPD breitgemacht hat. Jahrelang versank die Partei in Lethargie, seit Angela Merkel im Kanzleramt sitzt, gab es keinen realistischen Machtanspruch mehr. Die SPD blieb in der zweiten Reihe.

Martin Schulz steht nicht für diese Jahre der SPD-Depression. Er kommt von aussen, wirkt unverbraucht. Mit Schulz kehrt bei den Genossen der Glaube zurück, den Kanzler stellen zu können. Der neue Hoffnungsträger ist Projektionsfläche vieler Menschen, auch, weil er in vielem vage bleibt: Er propagiert Gerechtigkeit, lässt aber die Finanzierungsfrage weitgehend offen. Gerechtigkeit, das klingt attraktiv. In den nächsten Wochen muss Schulz hierzu aber konkrete Konzepte vorlegen. Das wird ihn angreifbar machen.

Nichtsdestotrotz: Die neue Stärke der SPD unter Martin Schulz ist gut für die Demokratie in Deutschland. Merkels bisherige Strategie der asymmetrischen Demobilisierung – also möglichst dafür zu sorgen, dass Wähler des politischen Gegners eingeschläfert und von den Wahlen ferngehalten werden – wird 2017 kaum mehr zum Sieg reichen.

Die Gesellschaft ist polarisierter als vor vier Jahren. Nach zwölf Jahren Angela Merkel macht sich in Ansätzen Wechselstimmung bemerkbar – auch, weil die Kanzlerin mit Martin Schulz einen ernst zu nehmenden Widersacher hat.

Christoph Reichmuth

Deutschland-Korrespondent


Login


 

Leserkommentare

Anzeige: