Liebesaus für die «Verlobte Italiens»?

MINISTERIN ⋅ Maria Elena Boschi (35) ist das Gesicht der Abstimmung zur italienischen Verfassungsreform. Ein Nein könnte die Karriere der jungen Ministerin beenden.

01. Dezember 2016, 14:09

Die Verfassungsreform, über die in Italien am Sonntag abgestimmt wird, trägt ihren Namen: Maria Elena Boschi. Die 35-Jährige ist seit zwei Jahren Minis­terin für Verfassungsreformen und Beziehungen im Kabinett von Ministerpräsident Matteo Renzi.

Ihre Ernennung sorgte nicht nur wegen ihres Alters für Schlagzeilen, sondern auch wegen ihres attraktiven Aussehens. «Sie sind zu schön, um Kommunistin zu sein», soll der italienische Ex-Premier Silvio Berlusconi bei ihrem ersten Treffen gesagt haben. Die Tos­kanerin ist aber nicht die Art von Showgirl-Politikerin, wie man sie aus Berlusconis Zeiten kennt: Die Anwältin überzeugte die Italiener mit ihrem Intellekt.

Anfangs galt sie als eine der populärsten Politikerinnen im Land. Dies, obwohl sie sich in der noch sehr männerdominierten italienischen Gesellschaft für Frauenrechte einsetzte. Sie selbst musste sich oft gegen sexistische Bemerkungen wehren: «Verlobte Italiens», «Miss Parlamento» oder «Jungfrau Italiens» sind nur einige der Spitznamen, die man ihr in den letzten zwei Jahren auf­erlegt hat.

«Ich ziehe es vor, wegen meiner Reformen und nicht wegen meiner Formen beurteilt zu werden», sagte sie darüber. Ihr Wunsch wurde erhört, wenn auch nicht so, wie sie es sich wohl vorstellte. Die Reformgegner haben eine weitere Angriffsfläche neben ihrem Aussehen entdeckt.

Die Oppositionspartei Cinque Stelle reichte einen Misstrauensantrag ein, da Boschis Vater 2015 im Verwaltungsrat einer gescheiterten Bank sass, die von der Regierung gerettet wurde. Beweise für einen Inte­ressenkonflikt wurden bisher nicht gefunden – doch ihr Ruf litt darunter. Ihre Beliebtheit ist bei weitem nicht mehr auf dem Stand von vor zwei Jahren.

Dies liegt auch daran, dass die italienische Bevölkerung nicht mehr mit Renzis Regierung zufrieden ist. Und Boschi ist für viele die Verkörperung dieser Regierung. Trotz allem kämpft sie unermüdlich für die Reform, die unter anderem die Rechte des Senats beschneiden wird. Das komplizierte italienische Zweikammersystem soll einfacher, «moderner» werden, sagt sie.

In ganz Italien macht sie sich dafür stark: «Basta un Sì» – ein Ja reicht. Das Referendum ist bereits ein Höhepunkt ihrer jungen Karriere. Ein Nein könnte deren Ende bedeuten. Bis zum Sonntag wird Boschi noch weiterkämpfen – und so einem ihrer vielen Spitznamen gerecht werden: «die Amazone des Premiers».

Federico Gagliano


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