Mugabes Nickerchen

SIMBABWE ⋅ Präsident Robert Mugabe hat Schüler vor dem Einschlafen in der Schule gewarnt. Doch er selbst ist berüchtigt dafür, bei hohen Staatsbesuchen ein Nickerchen einzulegen.
20. April 2017, 04:39

Markus Schönherr, Kapstadt

«Gebt Acht und passt auf, dass ihr während des Unterrichts nicht wegschlummert», lautete der Rat von Simbabwes greisem Staatschef. Bevor Mugabe vor 37 Jahren die Regierung des südafrikanischen Landes übernahm, hatte er selbst als Lehrer gear­beitet. Jetzt warnte er die neue Generation anlässlich von Simbabwes Unabhängigkeitstag am Dienstag vor der «Versuchung, die Schulstunde in eine Siesta zu verwandeln». Das berichten südafrikanische Medien.

Wie ernst die uniformierten Schüler den Ratschlag nahmen, ist allerdings ungewiss. Mit gutem Beispiel ging der ehemalige Freiheitskämpfer bislang jedenfalls nicht voran. Ob bei Staats­besuchen, Reden oder gar seiner eigenen Geburtstagsparty – Mugabe ist bekannt dafür, bei län­geren Pausen im offiziellen Programm seinen Kopf auf die Brust sinken zu lassen und die Augen zu schliessen. Zuletzt war es Mugabe vor einem Jahr passiert: Ausgerechnet in Japan, dem Land der guten Manieren, döste Mugabe bei einer Rede des japanischen Ministerpräsidenten Shinzo Abe weg. Das Regime in Harare bestritt die Anschuldigungen schnell: Vielmehr habe Mugabe seinem Amtskollegen zugehört und zustimmend genickt. Auch Mugabes offizieller Fotograf bekräftigte: Sobald der Landesvater die Augen schliesse, verfalle er in «tiefe Konzentration». Von Schlaf sei keine Rede.

Rollstuhl als Massagestuhl getarnt?

Jedoch sehen Gegner und die Opposition die Ausreden als ebenso grosse Blamage wie den müden Präsidenten selbst. Für sie sind Mugabes spontane Nickerchen ein Anzeichen seines hohen Alters. Im Februar feierte das älteste Staatsoberhaupt der Welt seinen 93. Geburtstag. «Mugabe würde eine Wahl noch als Leiche gewinnen», war seine Frau Grace überzeugt. Doch Kritiker zweifeln: Immer wackeliger schreitet der alte Landesvater über den roten Teppich. Seine Minister schenkten ihm zum Geburtstag jetzt einen speziell angefertigten Massagestuhl – die Opposition vermutete dabei einen getarnten «Rollstuhl».


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