Mit Plastikgeld und Verlosungen: Regierung kämpft gegen Steuerbetrug

GRIECHENLAND ⋅ Mit einer Lotterie will der griechische Finanzminister die Steuerhinterziehung bekämpfen: Wer mit einer Karte zahlt, kann 1000 Euro gewinnen.
18. Juli 2017, 07:55

Gerd Höhler, Athen

Noch bevor der Installateur seinen Werkzeugkasten absetzt, um sich der kaputten Waschmaschine zu widmen, kommt die obligate Frage: «Brauchen Sie eine Quittung?» Wer auf den Beleg verzichtet, kann in Griechenland mit einem Nachlass von rund einem Viertel rechnen. Der Kunde spart, und der Handwerker auch: Er braucht die Mehrwertsteuer nicht abzuführen, die immerhin 24 Prozent beträgt, und er zahlt keine Einkommensteuer. Verlierer ist der Fiskus.

Die Steuerhinterziehung gilt als eine der Ursachen der griechischen Schuldenkrise. Fachleute schätzen, dass dem Fiskus pro Jahr rund 16 Milliarden Euro durch die Lappen gehen. Das entspräche einem Drittel der gesamten Steuereinnahmen von 2016.

Noch lacht Bargeld in Griechenland. Aber nicht mehr lange. Im Kampf gegen die Steuerhinterziehung setzt Finanzminister Euklid Tsakalotos auf Plastikgeld, denn anders als Barzahlungen sind Kartentransaktionen für den Fiskus nachvollziehbar. Mit 1,4 Bank- und Kreditkarten pro Kopf sind die Griechen zwar für bargeldloses Zahlen gut gerüstet. Aber sie setzen die Karten bisher im Schnitt fünfmal seltener ein als andere EU-Bürger.

Mit der geplanten Lotterie will das Ministerium jetzt einen Anreiz für bargeldloses Zahlen schaffen. Jede Kartentransaktion entspricht einem «Los». Die Banken melden der Finanzverwaltung die Zahlungen. Jeden Monat werden 1000 Transaktionen ausgelost und mit jeweils 1000 Euro prämiert. Die erste Ziehung ist für Ende August geplant.

Es locken Prämien in Höhe von 12 Millionen Euro

Prämien in Höhe von 12 Millionen Euro will das Finanzministerium so pro Jahr ausschütten – in der Hoffnung, dass ein Vielfaches dieser Summe an zusätzlichen Steuern in die Kasse fliesst. Bis zum 27. Juli müssen zahlreiche Berufsgruppen und Gewerbetreibende Kartenterminals anschaffen. Dazu gehören Ärzte, Elektriker, Installateure, Rechtsanwälte und andere Freiberufler. Für Restaurants, Cafés und Einzelhändler gilt die Pflicht bereits seit längerem.

Die Massnahme zeigt Wirkung. Seit Beginn des Jahres werden im Schnitt pro Tag etwa 1300 bis 1400 neue Kartenterminals installiert. Bis zum Jahresende sollen es dann 420000 sein.

Nach Angaben der griechischen Banken sind inzwischen 95 Prozent der Einzelhandelsgeschäfte in den Städten mit solchen Terminals ausgerüstet. Dass sich die Griechen für das Plastikgeld erwärmen, hängt nicht zuletzt mit den Mitte 2015 eingeführten Kapitalkontrollen zusammen. Sie sollten die damals auf dem Höhepunkt der Krise einsetzende Kapitalflucht bremsen und ein Ausbluten der Banken verhindern. Seitdem dürfen die Griechen höchstens 60 Euro pro Tag oder 840 Euro alle zwei Wochen von ihren Konten in bar abheben oder am Geldautomaten ziehen.

Deshalb weichen die Menschen zunehmend auf Kartenzahlungen aus. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres stiegen die Umsätze der bargeldlosen Zahlungen um 30 Prozent. Knapp ein Viertel der Kartenzahlungen entfällt übrigens auf Touristen. Am Steuerlotto können Touristen allerdings nicht teilnehmen.


Leserkommentare

Anzeige: